22.03.2005

BENTHAM JEREMY B., CEO Shell Hydrogen/März 2005

Wasserstoff statt Öl: Noch 50 Jahre reichen die Ölreserven. Erstaunlich ist, mit welcher Selbstverständlichkeit die Welt diese Ressourcen aufbraucht, die dann nicht mehr zu generieren sind. Shell sucht Wege aus dieser Abhängigkeit. Wasserstoff scheint die Lösung zu sein. Doch für eine Umstellung braucht es gigantische Neuinvestitionen. Jeremy B. Bentham, CEO von Shell Hydrogen mit Sitz in Amsterdam, sagt “persönlich”, wie es gehen könnte. Interview: Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Ein Grossteil des Öls geht auf dem Weg verloren. Warum?

“Ja, vom Ölfeld bis zum Autotank gehen 84 Prozent der Energie verloren. Wenn man das ganze Energiesystem eines Landes nimmt, so kann man sagen, dass rund 60 Prozent der Energie, die ursprünglich im Rohstoff vorhanden war, verloren geht. Wenn Sie schon mal auf einem Ölfeld waren, dann wissen Sie, dass dieser Rohstoff schwarz, zähflüssig und übelriechend ist und dass dieser Stoff zunächst raffiniert werden muss. Ein gewisser Anteil der Energie geht bereits bei der Raffination des Öls verloren. Die Energie schliesslich, die man im Tank eines normalen benzinbetriebenen Autos gespeichert hat, geht nur zu 16 Prozent in Kraft über, die das Fahrzeug bewegt. Viel von der ursprünglichen Energie wird bei der Verbrennung vergeudet und geht in Form von Hitze verloren. Beim Beschleunigen und anschliessenden Abbremsen, beim ‘stopp and go’ also, geht ebenfalls viel Energie verloren. Aus diesem Grund werden neue Technologien im Motorenbau ausprobiert, wie etwa beim Hybrid-Motor, bei dem ein Teil der abgegebenen Energien wieder verwendet und einem Elektromotor zugeführt wird.”

Wann gehen unsere Ölressourcen zu Ende?

“Noch bestehen grosse Ressourcen an fossilen Brennstoffen. Beim jetzigen Verbrauch an Kohle zum Beispiel dürften die bekannten Kohlevorräte noch für rund 200 Jahre reichen. Beim Öl reden wir von rund 50 Jahren. Diese traditionellen Brennstoffe werden im Energie-Mix der Zukunft weiterhin wichtig bleiben. Doch der Druck, wirtschaftlichere Energiesysteme zu entwickeln, wird in den nächsten Jahren bestimmt zunehmen. Insbesondere in unterentwickelten Ländern wird dieser Druck immer grösser. Die Armen können sich keine teuren Brennstoffe und Energien leisten, wobei gerade sie darauf angewiesen sind, wenn sie die wirtschaftliche Entwicklung in ihren Ländern ankurbeln wollen. Wir rechnen damit, dass diese Länder zwei- bis dreimal so viel Energie wie heute zur wirtschaftlichen Entwicklung brauchen werden. Gleichzeitig besteht ein Druck darin, in Zukunft sauberere Energie zu produzieren.”

Welche Bedeutung haben die neuen Märkte in Asien in Bezug auf die Gewinnung von Rohstoffen und den Verbrauch von Energie?

“Die wirtschaftliche Entwicklung in Ländern wie China und Indien hat einen gewaltigen Einfluss auf den weltweit bestehenden Energie-Mix. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in diesen Ländern unter 5000 Dollar. In den nächsten 50 Jahren soll dieses Einkommen – so das Bestreben – um ein Mehrfaches wachsen. Parallel dazu wird natürlich der Bedarf an Energie zunehmen. Schon jetzt besteht in China ein zunehmender Bedarf an Öl, und dies wird in anderen Ländern in Zukunft gleich sein. Die Regierungen dieser Länder machen sich aber nicht nur Gedanken über die steigende Nachfrage nach Energie, sondern auch über sauberere Energie. China und Indien sind zum Beispiel der internationalen Interessensgemeinschaft für Wasserstoff-Energie beigetreten, um die Entwicklung auf diesem Gebiet zu verfolgen.”



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