30.05.2005

BENEDICK ROLANDO, Chairman und CEO Manor / Mai 2005

Detailhandel: Während die Händler vor dem Markteintritt der Deutschen präventiv die Preise senken, bleibt Manor standhaft, weil der Grossteil der Kundschaft mehr auf Qualität und Mode setzt. Drei Jahre verzichtete Manor auf Expansion, investierte stattdessen in Logistik und Informatik. Manor sieht sich als Multi-Spezialist mit eingegrenzter Anzahl Abteilungen. Lebensmittel sind bei Manor keine Frequenzbringer, sondern Image-Vermittler. Das Interview mit Rolando Benedick, Chairman und CEO von Manor. Interview: Oliver Prange Fotos: Marc Wetli

Der Markteintritt von Aldi und Lidl hat in der Schweiz seit Anfang dieses Jahres die Preisdiskussion angeheizt. Sie geben diesem Preisdruck offenbar nicht nach?

“Im Non-Food haben wir seit Jahren in der Schweiz eine grosse Konkurrenz international tätiger Unternehmen. Es gibt H & M, Ikea, Zara, Media-Markt und so weiter, und alle existieren nebeneinander. Ich finde es gut, dass Aldi und Lidl kommen und die Oligarchie von Migros und Coop attackieren. Nur finde ich es falsch, nur immer über den Preis zu reden. Umfragen in der Schweiz zeigen, dass 15 bis 18 Prozent der Bevölkerung sich nach dem günstigsten Preis ausrichten. Es sind also immer noch 80 bis 85 Prozent, bei denen andere Kriterien wie Qualität oder Mode im Vordergrund stehen. Es ist aber auch klar, dass bei den Basisartikeln wie den Grundnahrungsmitteln der Preis eine wichtige Rolle spielt – neben der Frische und der Qualität oder auch den Verkaufsgeschäften als solche. Bei der Diskussion um Aldi und Lidl stört mich, dass wir damit eigentlich Werbung für Aldi und Lidl machen. Warten wir doch, bis die beiden Unternehmen da sind, dann können wir die Preise vergleichen.”

In Deutschland sind Aldi und Lidl sehr erfolgreich, und die Qualität der Produkte ist ja auch gut?

“Ja, die rund 700 Produkte, die sie führen, sind tatsächlich gut. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Aldi in den letzten zwei Jahren eine rückläufige Entwicklung erlebt. Es ist nicht eine Erfolgsstory ohne Ende. Aldi stagniert, weil die Leute nicht mehr nur auf den Preis achten. Oder nehmen Sie England. Dort haben die Hard Discounter nur einen Marktanteil von 3 bis 4 Prozent und in Frankreich etwa 9 Prozent.”

Trotzdem – was glauben Sie, was werden Aldi und Lidl in der Schweiz bewegen?

“Sicher wird Bewegung ins Spiel kommen. Aldi und Lidl werden eine Konkurrenz darstellen für Migros und Coop, ich denke, vor allem für Coop. Migros und Coop sind gezwungen, ihre Preise anzupassen. Sie machen etwa 75 Prozent ihres Umsatzes mit Lebensmitteln, wir dagegen bei Manor nur 25 Prozent.”



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