21.11.2006

BELLPRAT, XAVIER, Szenograf, November 2006

Bellprat Associates: Xavier Bellprat in Winterthur baut für General Motors jedes Jahr weltweit Messestände. Die Szenografie, die Inszenierung von räumlichen Bildern, ist ein Nischengeschäft und bewegt sich zwischen Kunst und Kommerz. Bellprat, der den Schweizer Pavillon in Vancouver und später den Pavillon de l’Energie an der Expo.02 baute, hat sich einen Namen geschaffen. Wie die Szenografie für die Markenführung eingesetzt werden kann, sagt Bellprat im Interview mit “persönlich”.

Welchen Beruf üben Sie eigentlich aus?

“Von meiner Ausbildung her bin ich Architekt, doch das Metier, das ich seit bald zwanzig Jahren ausübe, heisst Szenografie. Ein Szenograf entwirft und realisiert räumliche Bilder. Seine Tätigkeit kann so unterschiedliche Disziplinen wie Architektur und Bau, Licht, Film, Sprache, Medien und Werbung beinhalten. In der Schweiz gibt es vielleicht 30 bis 40 Personen, die diesen Beruf ausüben, in ganz Europa etwa 1500. Einige von ihnen sind nur im kulturellen oder künstlerischen Bereich tätig, andere wiederum nur im kommerziellen. Die Firma Bellprat bewegt sich in einem Feld zwischen Kultur und Kommerz. Unser Spektrum umfasst sowohl permanente wie auch temporäre Ausstellungen, Science Centers, Themenparks und Messen.”

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

“Ich bin reingerutscht. 1986 hatte ich für die Weltausstellung in Vancouver als Architekt die Bauleitung des Schweizer Pavillons, an dem Swatch mit einer Ausstellung beteiligt war. Swatch beauftragte mich, der ich bislang noch nie als Szenograf gearbeitet hatte, damit, das Time-Management für das gesamte Areal der Weltausstellung zu handhaben und weltweit Events zu konzipieren. Wieder zurück in der Schweiz nach zwölf Jahren Kanada, arbeitete ich für Swatch und gleichzeitig am Technorama der Schweiz, für das ich bis 1991 Sonderausstellungen realisierte. Die Inspiration dafür waren die Science Centers, so genannte Exploratorien, die ich von der Westküstenzeit her kannte. Sie stellen keine Artefakte aus, sondern handeln von Phänomenen und sind ausschliesslich dem Prinzip des interaktiven Entdeckens gewidmet. Meine Ausbildung zum Szenografen war Learning by Doing. Von meiner Einstellung her bin ich dadurch, dass ich nach dem Studium viele Jahre in Kanada gelebt und als Architekt und Dozent gearbeitet habe, total amerikanisch geprägt: Es kommt nicht darauf an, wer man ist und woher man kommt. Man kann alles erreichen, was man will, wenn man dafür krampft.”

Haben Sie in Kanada noch andere einschneidende Erfahrungen gemacht?

“Meinen ersten Wettbewerb für ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt, bei dem ich gleich den grossen nordamerikanischen Architekturpreis gewann. Man muss sich das mal vorstellen: In der Schweiz hatte ich nicht einmal eine Anstellung gefunden. Und nun gleich ein Preis und ein Projekt, das ich auch noch realisieren konnte. Als Schweizer waren wir in der Folge praktisch für alle Skigebiete Nordamerikas gesetzt – obwohl ich eigentlich aus Barcelona stamme. Whistler Mountain, heute eines der grössten Skigebiete der Welt, war 1979 unser krönendes Werk mit internationaler Strahlkraft, obwohl wir damit fast kein Geld verdienten.”



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