24.01.2007

AEBI JEAN ETIENNE, Januar 2007

Revolution von oben: Vor einem halben Jahr ist das Urgestein der Schweizer Werbung, Jean Etienne Aebi, zum zweiten Mal angetreten, den ADC umzukrempeln. Der “neue” ADC soll nicht mehr ein inzestuöser Kreativclub sein, sondern eine wirtschaftskompatible Vereinigung. Doch was bewirkt Aebi wirklich? Gegenüber “persönlich” zieht der ehemalige Creative Director von Publicis Bilanz und beklagt die Überflutung mit unkreativer Werbung.

Herr Aebi, Sie gelten als Urgestein der Schweizer Werbung. Warum sind ausgerechnet Sie die richtige Person für die Erneuerung des ADC?

“Das frage ich mich manchmal auch. Es dürfte ruhig ein anderer sein, nur müsste man eben zuerst einen finden, der das wollen und können will. Von Vorteil ist sicher, wenn der ADC-Präsident nicht nur ein Kreativer im engen Sinne ist, sondern auch ein bisschen das Networking draufhat, also die Branchen kennt. Und diese natürlich ihn. Ein Mitglied der New Generation hätte vielleicht auch noch nicht ganz die notwendige Durchsetzungskraft wie einer, der sein ganzes Berufsleben in der Werbung verbracht hat. Es ist aber so oder so müssig, darüber zu theoretisieren. Die mit über 120 Teilnehmern praktisch vollständige Mitgliederversammlung hat mich nun mal im letzten Mai einstimmig in dieses Amt gewählt. Und das gewiss nicht, weil ich diese Funktion noch einmal nötig hätte, um mich zusätzlich zu profilieren.”

Warum machen Sie es dann?

“Da muss man zunächst die Story kennen, die wie immer in solchen Fällen dahintersteckt. Im Herbst 2005 hat mich der damalige ADC-Vorstand beauftragt, eine Analyse zum Status quo zu erstellen und Zukunftsperspektiven aufzuzeichnen. Diesen Job habe ich dann ganz schön seriös gemacht, dazu rund dreissig Gespräche geführt, die Finanzen unter die Lupe genommen und so weiter. Mit den Resultaten konfrontierte ich anschliessend den Vorstand über ganze vier Powerpoint-Stunden.”

Diese Arbeit war Ihr Bewerbungsschreiben ...

“Nein, dies war keineswegs meine Absicht, obwohl ich mir des Risikos schon bald bewusst wurde, dass es darauf hinauslaufen könnte. Der alte Vorstand zeigte sich jedenfalls von meinen Vorschlägen so sehr angetan, dass eigentlich nur noch die Frage blieb, wer diese umsetzen könne. Dies ist der McKin- sey-Effekt: Als Berater geht man rein, als Chef kommt man raus. Lukas Mühlemann ist es damals bei der Credit Suisse so ergangen, auch wenn mir die Analogie nicht rundum gefällt, wenn ich an die Folgen denke.”



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