09.12.2017

Roman Camenzind

«Weihnachten ist eine ziemlich präzise Vorgabe»

Vor 20 Jahren gründete der 41-Jährige im Zürcher Kreis 5 die erfolgreichste Schweizer Musikproduktionsfirma HitMill. persoenlich.com sprach mit dem Komponisten über Lady Gaga, seine Zeit mit Subzonic – und Weihnachtsspots.
Roman Camenzind: «Weihnachten ist eine ziemlich präzise Vorgabe»
Roman Camenzind: «Ein Hit entsteht dann, wenn ein Song von einem breiten Publikum geliebt wird.» (Bilder: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Camenzind, Sie feiern nun mit HitMill Ihr 20-Jahr-Jubiläum. Was war für Sie der Auslöser, eine eigene Firma zu gründen?
Ich wollte beruflich als Musikproduzent arbeiten, aber es gab keine Firma, bei der ich hätte arbeiten können. Diesen Markt gabs damals noch nicht in der Schweiz. Da blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbständig zu machen.

Hatten Sie nie Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen?
Ich hatte in den ersten Jahren eher Angst, dass mir das Geld ausgeht als die Ideen.

Sie gelten als der «Macher» von Bligg, Pegasus, Baschi oder Adrian Stern. Was war für Sie persönlich der «Höhepunkt» Ihrer Tätigkeit?
«Bring en Hei», den ich für Baschi komponiert und produziert habe, war sicher einer der Höhepunkte. Die Eigendynamik, die durch die Fussballfans an der WM 2006 losgetreten wurde, war unglaublich. Da gings für Baschi und HitMill so richtig ab.

Lady Gaga war auch schon bei Ihnen zu Gast. Wie war diese Begegnung?
Skurril. Mitten in der Aufnahmesession ist sie in sich zusammengebrochen und sagte ganz leise: «I need some Love». Ich habe mich dann sofort in Sicherheit gebracht und war beruhigt, als ihr Manager kam und sie kurz umarmte. Danach gings Gaga wieder tiptop.

Lady Gaga und Fred und Roman


Wie entsteht eigentlich ein Hit?
Ein Hit entsteht dann, wenn ein Song von einem breiten Publikum geliebt wird. Ein musikalisches Hit-Rezept gibt es zum Glück nicht. Was HitMill jedoch so erfolgreich macht, ist, dass wir eine Musikproduktion als umfassendes Projekt betrachten, bei dem wir ein ganzes Konzept passend zum Charakter des Künstlers erarbeiten, bevor wir die Instrumente in die Hand nehmen.

Und was ist dabei zuerst: der Text oder die Melodie?
Kann beides sein. In der Regel setze ich ein Thema und hab schon mal ein paar Satzfragmente, bevor ich mich an die musikalische Komposition mache. Dann mache ich den Text fertig.

Ist es ein Unterschied, ob Sie einen Song kreieren für Schwiizergoofe oder Baschi?
Georg Schlunegger schreibt die Lieder für die Schwiizergoofe zusammen mit meiner Frau Niki. Aber ja, da gibt es natürlich Unterschiede, da dies zwei inhaltlich und formell ganz unterschiedliche Projekte sind.

Sie sagen in Ihrem Jubiläumsbuch von Rainer Kuhn, dass Sie einen Song höchstens zweimal spielen: einmal beim Komponieren und danach bei der Aufnahme. Ist dies nicht ein bisschen viel Koketterie – oder ein Hauch von Wahrheit?
Das ist die Wahrheit. Da ich keine Auftritte als Musiker mache, spiele ich Songs tatsächlich in der Regel nur zweimal. Ich komponiere lieber ständig Neues.

Sie hatten aber Auftritte und 1999 mit «Titelgeschicht» als aktiver Musiker einen Hit. Wollten Sie niemals mehr zurück auf die Bühne?
Ich hätte mehrere Möglichkeiten gehabt, nach Subzonic weiterhin auf der Bühne zu musizieren. Aber die Bühne war nie meine Stärke. Meine Freude und Stärke lag schon immer beim Arbeiten im Studio.


Mit Subzonic durchbrachen Sie das Dialektmonopol der Berner Szene. Führte dies nicht zu Verstimmungen innerhalb der Branche?
Im Gegenteil. Es war ein Befreiungsschlag für die Branche. Subzonic waren der «Proof of concept», dass eine Band nicht zwangsläufig in Berner Dialekt singen muss, um Deutschschweiz-weit erfolgreich zu sein. Das hat sehr vielen Bands die Türen zu den grossen Plattenfirmen geöffnet.

2015 gingen Sie eine strategische Partnerschaft mit Coop ein (persoenlich.com berichtete). Ist dies für Ihre Firma nicht ein Klumpenrisiko?
Dadurch, dass wir eine sehr breite Palette an Kunden, sowohl aus der Musikindustrie, als auch aus der Werbeindustrie haben, ist das Risiko zwar vorhanden, aber überschaubar.

An Weihnachten 2015 haben Sie die Songs sowohl für Migros als auch für Coop geschrieben, was zu einem Konflikt zwischen Migros und Coop führte. Wie haben Sie darauf reagiert?
Nach der Zusammenarbeit mit beiden Firmen war für uns klar, dass wir mit Coop zusammenarbeiten würden. Zum einen arbeiteten wir schon seit 2012 mit ihnen, und zum anderen hats mit Coop einfach von Anfang an gerockt.

Ist es schwieriger einen Weihnachtssong – wie aktuell jener für den Coop-Spot – zu komponieren als ein normales Lied?
Als Komponist ist es je einfacher, desto präziser die Vorgabe ist. Weihnachten ist eine ziemlich präzise Vorgabe.


Worauf haben Sie dieses Jahr den Fokus gelegt?
Auf den Aufbau von neuen Künstlern. In unserem 360-Grad-Modell bieten wir eine umfassende Entwicklung und Betreuung. Von der Musikproduktion über die Bühnenproduktion, Booking, Merchandising, Marketing, Promotion, Direkvertrieb und Management. Das erste Projekt, das wir so aufgebaut haben, ist «Heimweh» – und geht gerade durch die Decke mit Doppelplatin, zwei Swiss Music Awards und einer mehrwöchigen Nummer-1-Platzierung in den Hitparaden.



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang