16.03.2017

Swiss Photo Award

Neuer Gewinner in letzter Sekunde

Das ist sozusagen ein Fotofinish gewesen: Die Jury hat aus über 4000 Bildern sieben Gewinner ausgewählt und am Donnerstagabend in der Photobastei Zürich gekürt. In einem Fall wurde kurzfristig der Gewinner ausgetauscht. Dieser reagiert «verwundert».
Swiss Photo Award: Neuer Gewinner in letzter Sekunde
Ein Bild aus der Nacktwanderer-Serie von Fotograf Roshan Adhihetty. Er wurde jedoch kurzfristig disqualifiziert und durch einen neuen Gewinner ersetzt. (Bild: Roshan Adhihetty)

Der Swiss Photo Award – vfg. selection 2017 ist am Donnerstagabend in Zürich an sieben Fotografinnen und Fotografen vergeben worden. Der Preis ist mit insgesamt 35’000 Franken dotiert. Für den Preis nominiert waren 21 Fotografen. Die Kategoriensieger (siehe unten) haben je 5000 Franken erhalten.

Die Jury hat am Mittwochabend noch kurzfristig ihren ursprünglichen Entscheid vom Januar geändert: Damals war in der Kategorie Reportage der Fotograf Roshan Adhihetty mit seinen Fotos zum Thema Nacktwandern auf dem 1. Platz.

Die Änderung sei notwendig geworden, weil die Arbeit von Adhihetty in einem grossen Ausmass künstlerischen Manipulationen – von Inszenierungen über Angaben zur genauen Pose der Wanderer bis hin zu digitalen Eingriffen – unterliege, heisst es in einer Mitteilung. Dies sei der Jury im Januar nicht bekannt gewesen, sondern erst bei der Präsentation durch den Fotografen am Mittwoch klar geworden.

Die «herausragend stimmige, künstlerische Dokumentararbeit» entspreche mit ihren Eingriffen nicht den grundsätzlichen journalistischen Prinzipien für eine Arbeit in der Kategorie Reportage, heisst es weiter. Der Preis geht deshalb an «Der Fels von Gnor» von Christian Bobst, Zürich.

Der disqualifizierte Fotograf Roshan Adhihetty und sein Verlag wundern sich, «dass diese – nachweislich bereits bei der Anmeldung transparent gemachten Fakten – von der Organisation des Swiss Photo Awards am Tag der Preisvergabe als disqualifizierend eingestuft wurden», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Die sieben Gewinner sind:

Architektur – Andrea Helbling, Zürich

Helbling

Die Arbeit «Vertreter der Gattung Haus – Häuser und Konglomerate» ist eine Langzeitstudie über Zürcher Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren. Sie zeigt Bauten, die meistens übersehen, als unbedeutend und hässlich empfunden werden. Und doch: Diese Gebäude prägen auf stille, hartnäckige Weise das Stadtbild und das Alltagsleben. Es gelingt der Fotografin zu zeigen, was Architekturfotografie kann, indem sie unseren Blick auf diese Bauten richtet und sie in unser Bewusstsein bringt, so das Urteil der Jury.

Editorial – Anita Vozza, Magglingen

vozza

In ihrer Arbeit «Stumme Zeugen» nimmt sich Anita Vozza die Freiheit, Gegenstände, die sie in einer verlassenen Scheune bei Biel gefunden hat, zu inszenieren. Damit überlagert sie persönliche Geschichte mit der dokumentarischen Geschichte der Gegenstände.Es gelingt ihr so, eine stille, tiefe Arbeit zu gestalten, die die Zeiten der Vergangenheit und der Gegenwart verschränkt.

Fashion – Lorenz Cugini, Zürich

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Mit der Arbeit «Ballet des Tapis» inszeniert Lorenz Cugini nicht Mode, sondern Teppiche – und zwar mit den Mitteln der Modefotografie. Die Teppiche tanzen mit den Menschen und werden zu Skulpturen voller Schönheit, Humor und Sinnlichkeit.

Fine Art – Jessica Wolfelsperger, Basel

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«Lonely Planet» ist eine sehr offene Arbeit, die mit dem ganzen fotografischen Duktus sehr experimentell umgeht und von welcher man, so Juror Tobia Bezzola, gerne noch mehr sehen würde.

Free – Jaromir Kreiliger, Castrisch

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«Amicezia» ist ein Langzeitprojekt des Künstlers. Es fängt in Bildern sowohl die Bergwelt Graubündens, wie das Seeleninterieur des Künstlers ein. Die Arbeit hat beide Juroren von Anfang an wegen ihrer Intimität, Offenheit und Atmosphäre angesprochen.

Reportage – Christian Bobst, Zürich

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Christian Bobst bringt in seiner klassischen Reportagearbeit entlang der Hauptperson, eines senegalesischen Wrestlers, die Welt dieser Sportart, ihre Verbindung auch zu Woodoo-Ritualen, ihre soziale Einbettung in die Stadtquartiere und deren Starkult und ökonomischen Hintergründe näher. Zudem zeigt es ein Afrika von Helden und setzt sich damit wohltuend von der sonst gewohnten Sichtweise auf den Kontinenten ab.

Werbung – Diego Alborghetti, Zürich

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Ausgesuchte Haushaltsartikel aus dem Küchenbereich werden in einer edlen formalen Umsetzung als Mode-Accessoires – in diesem Fall Handtaschen – präsentiert. Die Produkte werden von Models so getragen, wie Frauen ihre Handtaschen oder «Clutches» halten. Die Wahl der Models, das hochwertige Styling, die Qualität der Lichtgebung und die Beschaffenheit der Haut, die an weisses Porzellan erinnert, wiederspiegeln die Bildsprache aus renommierten, internationalen Hochglanz- und Lifestyle-Magazinen.

Es folgt nun eine Ausstellung

Der Swiss Photo Award ist einer der renommiertesten und mit einer Gesamtsumme von 35’000 Franken höchstdotierten Fotopreise der Schweiz. Er wird seit 1998 jährlich vergeben. Getragen wird er von privaten und öffentlichen Geldgebern.

Bis zum 16. April findet in der Photobastei die Ausstellung mit aktueller Fotografie «Made in Switzerland» statt. Die Ausstellung zeigt die 21 besten Arbeiten sowie die 15 Arbeiten der letzten Juryrunde, der sogenannten Shortlist. Dies erlaubt den Besuchern, die Wahl der Jury nachzuvollziehen. (sda/pd/cbe)

 



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