28.01.2018

Todesfall

Medienanwalt Martin Wagner ist tot

Der 57-jährige Basler Jurist ist in seinem Haus in Rünenberg Opfer eines Tötungsdelikts geworden. Der mutmassliche Täter, ein 39-jähriger Schweizer, tötete sich danach selbst. Wagner sorgte wiederholt für Schlagzeilen.
Todesfall: Medienanwalt Martin Wagner ist tot
Martin Wagner – hier 2010 bei der «Basler Zeitung» – ist am Sonntag einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Die Polizei habe am Sonntagmorgen um 8.57 Uhr die Meldung erhalten, dass es mehrere Schüsse gegeben habe und ein Nachbarschaftsstreit im Gang sei, sagten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagnachmittag an einer Medienkonferenz.

Die Tat habe sich in der Villa von Martin Wagner abgespielt. Als die Polizei am Tatort eingetroffen sei, habe Wagner noch gelebt. Trotz eingeleiteter Erste-Hilfe-Massnahmen sei er jedoch vor Ort verstorben. Der mutmassliche Täter, der in der Nachbarschaft wohnhaft gewesen war, sei beim Eintreffen der Polizei bereits tot gewesen.

Motiv unklar

Das Tatmotiv sei noch unklar, sei aber eher im privaten als im geschäftlichen Umfeld zu suchen. «Man kann davon ausgehen, dass sich Opfer und Täter gekannt haben», sagte Pascal Pilet von der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Ermittlungen zur Klärung des Tathergangs wurden eingeleitet. Die Tatwaffe wurde sichergestellt. Angaben dazu machten die Behörden jedoch keine.

Beim Tatort handelt es sich um eine mehrstöckige, moderne Villa in einem Einfamilienhausquartier am Dorfrand. Der Tatort wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt. Polizei und Spurensicherung waren am Sonntagnachmittag noch an der Arbeit.

Wagner hinterlässt drei Kinder im Jugendalter. Sie wurden von einem Care-Team betreut. Ob sie Zeugen der Tat wurden, ist nicht bekannt. Wagners Ehefrau starb im vergangenen September nach einer schweren Krankheit.

Gut vernetzt

Wagner ist als Medienanwalt kein unbeschriebenes Blatt gewesen: Unter anderem hatte er bei der Übernahme der «Basler Zeitung» durch Christoph Blocher eine Rolle gespielt und 2017 für Investoren Ringer den «Blick» abkaufen wollen (persoenlich.com berichtete).

Der 1960 geborene Jurist Wagner war gut vernetzt im Landkanton, etwa als Rechtskonsulent des Gewerbeverbands, der Wirtschaftskammer Baselland, oder als Interessenvertreter für die Hauseigentümerschaft. 2011 hatte er erfolglos auf der Baselbieter FDP-Liste für den Nationalrat kandidiert.

In der Schweizer Öffentlichkeit wurde Wagner unter anderem 2010 bekannt, als er für zehn Monate als Verleger der «Basler Zeitung» unter Hauptinvestor Tito Tettamanti fungierte. Dieses Duo setzte nach einem halben Jahr den Blocher-Intimus Markus Somm als Chefredaktor ein, was viel Wirbel um den BaZ-Kurswechsel auslöste. Für die BaZ war Wagner ab 2012 wie schon früher wieder als Konzernanwalt tätig. Wagner war zudem bis 2011 Verwaltungsratspräsident der Weltwoche Verlags AG.

Wagner arbeitete auch mit dem neuen Präsidenten des FC Basel, Bernhard Burgener, seit Jahren eng zusammen: Bei der börsenkotierten Highlight Event and Entertainment AG war Burgener Präsident des Verwaltungsrats und Wagner Mitglied. Highlight-Chef Burgener hatte sich unlängst im Machtkampf um die Filmgesellschaft Constantin mit dem ehemaligen Aufsichtsratschef, Dieter Hahn, durchgesetzt. Burgeners diskrete Gruppe mit Sitz in Pratteln vermarktet unter anderem den europäischen Fussballverband Uefa samt Champions League und den European Song Contest.

2011 hatte Wagner überdies via die Burgener-Firma Escor (Spielautomaten) dem Tamedia-Konzern die Sender TeleZüri, TeleBärn sowie die Radiosender Radio 24 (Zürich) und Capital FM (Bern) abkaufen wollen – erfolglos. Ziel war dabei, einen gemeinsamen Werbemarktpool mit den elektronischen Basler Medien, etwa mit Telebasel, Radio Baslisk oder Radio Basel, einzurichten. Wagner war von 2007 bis 2010 Besitzer von Radio Basilisk. (sda/cbe)



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