17.08.2017

Karin Frei

«Gerade im ‹Club› wird man automatisch zur Zielscheibe»

Drei Moderatoren, drei Abgänge – dies innerhalb von sechs Wochen. Die Redaktionsleiterin und Moderatorin erklärt im persoenlich.com-Interview, weshalb nun auch sie ihren Job an den Nagel hängt – und wie sie mit Kritik umgeht.
Karin Frei: «Gerade im ‹Club› wird man automatisch zur Zielscheibe»
«Club»-Moderatorin Karin Frei: «Vorerst werde ich bei SRF bleiben und freue mich darauf, wieder vermehrt redaktionell zu arbeiten.» (Bild: SRF/ Oscar Alessio)
von Christian Beck

Frau Frei, warum geben Sie den Rücktritt von der SRF-Sendung «Club» gerade jetzt bekannt (persoenlich.com berichtete)? Spielten der Schlaganfall von Thomy Scherrer oder der Abgang von Urs Gredig eine Rolle bei Ihrem Entscheid?
Sich mit 48 und nach sechs Jahren Moderation des Flaggschiffs «Club» Gedanken über die Zukunft zu machen, ist für mich erst mal eine Selbstverständlichkeit. Und natürlich: Die Erkrankung von Thomy war für mich wie für uns alle ein Schock. Dass man sich bei einem solchen Vorfall Gedanken über das Leben macht, liegt auf der Hand. Als der – auch für mich überraschende – Weggang von Urs Gredig hinzukam und plötzlich alles nochmals offen war, reiften die länger gehegten Gedanken zum Entscheid heran. Nun ist der richtige Moment gekommen für einen Aufbruch. 

Sie wurden immer wieder kritisiert, zuletzt von René Hildbrand: «Karin Frei kann es einfach nicht», schrieb er im Juni. Wurde der öffentliche Druck zu gross?
Nein. Wir werden – gerade in Zeiten von Social Media und No Billag – alle immer wieder kritisiert. Die öffentliche und die veröffentlichte Meinung sind zudem nicht zwingend dasselbe. Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen.

«Sie palaverte sich strukturlos durch die Sendung», meint der «Blick» am Mittwoch. Wie gehen Sie eigentlich mit solcher Kritik um?
Gerade im «Club» wird man als Person automatisch zur Zielscheibe. Für eine Diskussion gibt es kein allgemeingültiges Rezept. So passt den einen ein Stil und eine Linie, den anderen nicht. Kurz: Sachliche Kritik nehme ich sehr gerne entgegen. Alles andere versuche ich einzuordnen. Wer hat es geschrieben? Was ist die Motivation? Ist etwas Geschmackssache, einfach eine gute Schlagzeile mit potenziellen Klicks oder politisch gerade genehm. Wirklich ärgerlich ist es, wenn gelogen wird. Auch das habe ich erlebt.

Warum kam der «Club» quotenmässig nie richtig auf Touren?
Die ganze Medienwelt und auch die Mediennutzung wandeln sich. Dem kann sich auch der «Club» nicht entziehen. Wer den ganzen Tag am Handy News konsumiert, hat abends oft keine Lust mehr auf schwere Kost, oder aber man verzichtet ganz auf den Fernseher, da man ja die mobilen Geräte dabei hat. Hinzu kommt: Am Dienstag gibt es immer mehr Livesport parallel zu unserer Sendung. 2016 war zudem Sportjahr mit EM, Olympia und immer mehr Fussballspielen, die man nun mal live sehen muss – das kostet uns Quote. Schaut man auf das laufende Jahr 2017 sind wir quotenmässig denn auch wieder höher als 2016 (2016: 15,4 Prozent Marktanteil; 2017: bis 8.8.17, 16,7 Prozent).

Rückblickend auf die letzten sechs Jahre: Was bleibt in Erinnerung?
Eine spannende und herausfordernde Zeit. Ich durfte viele interessante Menschen kennenlernen und habe es geliebt und geschätzt, mich in so viele Themen einzudenken. Dies alles unter Live-Bedingungen zu diskutieren und ohne Schnitt durchzuziehen ist und bleibt ein Kick. Unvergessen für mich «Gerigate», ein Gespräch mit einem ALS-Patienten, den ich alles über seinen bevorstehenden Tod fragen durfte, aber auch Situationen wie der Rücktritt von Sepp Blatter, als unser Fifa-Gast eine halbe Stunde vor Sendebeginn ausstieg und wir in letzter Minute umstellen mussten.

Und was würden Sie am liebsten vergessen?
Den Moment, in dem man mitten im Satz den Faden verliert. Dann möchte man in die Tischkante beissen.

Vor dem «Club» moderierten Sie vor allem beim Radio. Wie schwierig war der Wechsel vor die Kamera?
Ich war es mich gewohnt, Diskussionsrunden zu leiten. Überrascht hat mich dann aber, wie viel grösser die Aufmerksamkeit ist, wenn man dies am Fernsehen tut. Der Druck, den man sich zum Teil auch selber macht, ist ungleich grösser und schwer zu erklären. Man weiss es erst, wenn mans gemacht hat.

Wie unterscheidet sich ein Gespräch im «Club» von einem Radiotalk à la «Persönlich» für Sie als Moderatorin?
Beide Sendungen sollen den Gästen möglichst gerecht werden. Wäre ich ein Jongleur, würde ich sagen: Im «Persönlich» haben Sie zwei bunte Bälle, die Sie so eindrücklich wie möglich zu jonglieren versuchen. Im «Club» sinds fünf oder sechs Bälle – und manchmal jongliert man mit Feuer oder Glas.

In der SRF-Mitteilung liessen Sie sich zitieren, dass Sie etwas Neues in Angriff nehmen wollen. Was ist es?
Vorerst werde ich bei SRF bleiben und freue mich darauf, wieder vermehrt redaktionell zu arbeiten. Es wird wieder mehr Zeit vorhanden sein, um Moderationen ausserhalb von SRF zu übernehmen. Das war bei meinem Vollzeitjob in den letzten Jahren schwierig. Wohin die Reise dann definitiv führt, müssen Sie mich in einem halben Jahr wieder fragen. Ich will auch für ganz Neues offen sein.


Das Interview wurde schriftlich geführt.



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