05.01.2018

Roger Schawinski

«Die SRG muss zurückbuchstabieren»

In seinem neuen Buch unter dem Titel «No Billag?» stellt sich Roger Schawinski deutlich gegen die umstrittene Initiative. Trotzdem schlägt er vor, die Radiosender SRF 1 und SRF 3 zusammenzulegen und SRF 4 News zu schliessen. persoenlich.com hat ihn befragt.
Roger Schawinski: «Die SRG muss zurückbuchstabieren»
Roger Schawinski in seiner jüngsten SRF-Sendung «Schawinski» im Gespräch mit Andri Silberschmidt. (Bild: Videostill)
von Matthias Ackeret

Herr Schawinski, was war der Auslöser für dieses Werk?
Plötzlich wurde mir klar, dass die radikale No-Billag-Initiative gute Chancen hat, und dass dies die Schweiz mehr verändern würde als alle anderen Entscheide seit Jahrzehnten.

Wie lange haben Sie an diesem Buch geschrieben?
Etwas mehr als vier Wochen. Ich wusste, dass das Buch anfangs Januar aufliegen müsse. Und als ich die Idee hatte, war bereits Mitte Oktober.

In den sozialen Medien wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie vom «härtesten SRG-Kritiker» zum SRG-Verteidiger mutiert seien. Können Sie mit diesem Vorwurf leben?
Ich war immer gegen das SRG-Monopol. Und sehr oft gegen das SRG-Management. Aber ich wollte immer ein duales System mit öffentlich-rechtlichen und privaten TV- und Radiostationen. «No Billag» würde dies zerstören. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit meinen Erfahrungen einbringen muss, weil sich vor allem Leute äussern, die vom Radio- und Fernsehgeschäft nicht den Hauch einer Ahnung haben, sondern vor allem ideologisch und oberflächlich argumentieren.

Was ist der Hauptgrund, dass die SRG in eine solch missliche Lage geraten ist?
Dafür gibt es viele. Ich liste sie im ersten Teil meines Buches auf.

Aber warum ist die Stimmung gegen die lange Zeit unbestrittene SRG gekippt?
Die Sucht nach einem unangreifbaren Monopol machte die SRG zum tönernen Popanz, der nun wankt.

Sie plädieren selber für «radikale» Lösungen wie beispielsweise die Zusammenlegung der Radiosender SRF 1 und SRF 3 oder der Abschaffung des Newskanals SRF 4. Wie realistisch sind diese Forderungen?
Weshalb radikal? Die Bedingungen haben sich geändert. SRF1 und SRF 3 sind heute zwei Middle-of-the-road-Sender. Früher war dies anders. Und die SRG muss zurückbuchstabieren.

Glauben Sie, dass sich die SRG nach einer gewonnenen Abstimmung wirklich ändern wird?
Das wird sie müssen. Sie muss subtito Massnahmen gegen die dann kommende 200-Franken-sind-genug-Initiative ergreifen.

Harte Kritik üben Sie auch an den Verlagshäusern. Was haben diese falsch gemacht?
Die meisten haben sich vor der SRG kaufen lassen, durch Presse-TV und Splitting-Gebühren. 

Sie haben die SRG während Ihrer beruflichen Tätigkeit mit Radio 24 und TeleZüri mehrmals herausgefordert. Vor genau 20 Jahren lancierten Sie mit Tele24 sogar eine nationale Konkurrenz. Woran ist das Projekt gescheitert?
An der Tamedia. Die hat meine Belcom-Gruppe gekauft und wollte Tele 24 einstellen, weil ihr eigenes TV3 kurz zuvor schmählich und mit riesigen Verlusten gescheitert war. Das sind die Fakten. Es ist also völlig falsch, dass es meine Entscheidung war, Tele 24 einzustellen, wie immer wieder kolportiert wird.

In Ihrem Buch kommen viele Protagonisten wie Roger de Weck, Armin Walpen oder Moritz Leuenberger vor. Hat schon einer von denen auf Ihre Buchankündigung reagiert?
Nein.

Warum haben nur auserwählte Journalisten im Vorfeld das Buch zu lesen bekommen?
Alle Medien, die sich an die Sperrfrist halten wollten, haben die Fahnen erhalten. Die Aussage der «Weltwoche» ist gelogen, dass sie vom Verlag nicht mit Fahnen berücksichtigt worden ist, weil sie uns nicht genehm ist. Richtig ist, dass die «Weltwoche» die Sperrfrist nicht einhalten wollte. Dass sie sie dann doch gebrochen hat, weil sie das Buch von einem Journalisten erhalten hat, der sich schriftlich zur Einhaltung der Sperrfrist verpflichtet hatte, belegt einen gravierenden Verlust von Treu und Glauben in oberen Etagen der Medienbranche. Offenbar gibt es in anderen Verlagen «Weltwoche»-U-Boote, die dem Köppel-Blatt sogar unter Verletzung der eigenen Verlagsinteressen Inhalte zuspielen. Da stösst man sehr schnell auf gewisse Namen.

Wie wird die Abstimmung am 4. März ausgehen?
Ich hoffe gut. No No Billag.



No-Billag

Roger Schawinski, «No Billag? Die Gründe und die die Folgen», Wörterseh-Verlag, 12 Franken. 



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Kommentare

  • Robert Weingart, 06.01.2018 21:21 Uhr
    Gewisse private Radiostationen gäbe es ohne Zwangsgebühren wohl nicht mehr. Deshalb ist ein Ja eine Überlegung wert, nur deshalb, weil es dann möglicherweise zu einer Flurbereinigung käme.

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