16.04.2018

Journalistinnenmord auf Malta

Autoren kritisieren schleppende Aufklärung

250 Schriftsteller wenden sich in einem offenen Brief mit der Überschrift «Die Schande von Valletta» an die EU-Kommission.
Journalistinnenmord auf Malta: Autoren kritisieren schleppende Aufklärung
Hat den Brief unterzeichnet: Der britische Schriftsteller Ian McEwan. (Bild: Keystone)

Sechs Monate nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta haben Schriftsteller auf der ganze Welt die schleppende Aufklärung kritisiert. In einem offenen Brief unter anderem an die EU-Kommission beklagte der Autorenverband Pen International am Montag, dass die Ermittlungen den internationalen Ansprüchen «von Unabhängigkeit, Unbefangenheit und Effektivität» nicht genügten. Die Regierung und die Behörden würden auch nichts gegen die regelmässige «Zerstörung» des Mahnmals für die Bloggerin in der Hauptstadt Valletta unternehmen.

Die regierungskritische Journalistin wurde am 16. Oktober mit einer Autobombe auf der Urlaubsinsel getötet. «Der Mord an Daphne Caruana Galizia wurde als direkte Antwort auf ihre journalistische Arbeit angeordnet, die zügellose Korruption der Regierung im Herzen der EU aufgedeckt hat», erklärte Pen-International-Präsidentin Jennifer Clement. Die maltesischen Behörden «scheinen zutiefst abgeneigt, Gerechtigkeit für ihre Ermordung» erlangen zu wollen.

Den Brief mit der Überschrift «Die Schande von Valletta 2018» unterzeichneten 250 Autoren, darunter Salman Rushdie, Ian McEwan und Margaret Atwood. Besonderes Augenmerk legten sie auf die Tatsache, dass Valletta derzeit Kulturhauptstadt Europas ist. Sie prangerten vor allem das Verhalten des Vorsitzenden der Valletta-2018-Stiftung, Jason Micallef, an, der Daphne mehrmals «lächerlich gemacht und öffentlich attackiert» habe. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn erhärten, müsse er zurücktreten. Am Montag waren in verschiedenen Städten Europas Mahnwachen für die Journalistin angesetzt. (sda/dpa/wid)



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