07.06.2018

Contextual Targeting

Zielgruppen-Spots ganz ohne Cookies

Tritt voraussichtlich 2019 die E-Privacy-Verordnung in Kraft, haben klassische Targeting-Methoden einen schweren Stand. Ein Zürcher Unternehmen hat für Video-Werbung eine Lösung entwickelt, die gänzlich ohne Kundendaten auskommt.
Contextual Targeting: Zielgruppen-Spots ganz ohne Cookies
Trotz süssem Smartphone-Cover: Video-Werbung lässt sich auch ohne Cookies zielgruppengerecht ausspielen. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)
von Christian Beck

Am 25. Mai ist die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft getreten. Noch in den Trilog-Verhandlungen in der EU steckt die E-Privacy-Verordnung. «Die E-Privacy-Verordnung geht im derzeit vorliegenden Entwurf weiter als die EU-DSGVO, dies eben auch was das Einwilligungserfordernis für das Sammeln von Cookies oder anderen Identifiern betrifft», sagte Philipp Stamm, Chef der Rechtsabteilung von Goldbach Group, in einem persoenlich.com-Interview.

Stamm rechnet damit, dass allenfalls wieder andere Werbeformen, die keine Personendaten zur Erstellung benötigen, wie beispielsweise im Bereich von contentbezogener Werbung, wieder beliebter würden. Genau eine solche Lösung im Bereich Video-Werbung hat die Zürcher Firma Video Intelligence. Der ausgespielte Werbeclip auf den Publisher-Websites wird an den Inhalt des Videos angepasst und entspricht damit auch dem Interesse des Nutzers. «Wir benötigen für die Auslieferung keinerlei Kundendaten», versichert Gründer und Geschäftsführer Kai Henniges zu persoenlich.com. Damit Werbung trotzdem passend ausgespielt werden kann, werden Sprach,- Text- und Bilderkennung basierend auf künstlicher Intelligenz genutzt.

Kai Henniges_credit video intelligence (1)

Henniges ist überzeugt, dass Contextual Targeting an Relevanz gewinnen wird. «Kunden sind im passenden Umfeld offener für Markenbotschaften. Das ist wissenschaftlich erwiesen und auch logisch, denn eine positive Assoziation und Wechselwirkung ergibt sich nur im richtigen Umfeld», sagt er. Zudem sei die Methode effizient und erfolgreich, auch ohne Cookies. «Vor allem jetzt, nach Inkraftsetzung der DSGVO, wird Contextual Targeting ein riesiger Wachstumsbereich, der die wirksameren Umfelder für Markenwerbung mit relevanten Inhalten verbindet. Das gilt vor allem für den Bereich Video», ist Henniges überzeugt. Überhaupt sei Video die Zukunft, der berühmte «Pivot to Video» sei Realität. «Leute lassen sich lieber unterhalten, als zu lesen», so Henniges.

Auch Brand Saftey ist gewährleistet

Im letzten Jahr tauchte Werbung der Post, Swisscom, Migros, Coop oder Ikea im Umfeld von extremistischen YouTube-Videos auf (persoenlich.com berichtete). «Bei uns wäre das nicht passiert, da die Werbeumfelder kontinuierlich überprüft, analysiert und kategorisiert werden, so dass solche Inhalte sofort geblockt und aussortiert werden», sagt Henniges.

Das Produkt dazu nennt sich «vi protect». Dabei handelt es sich um einen zwölfstufigen Check, zu dem – wenn es nötig ist – auch ein menschliches Paar Augen gehört. «Aber auch individuelle Kriterien können unsere Kunden davor schützen, dass ihre Video-Werbung in markenschädigenden Umfeldern ausgespielt wird: Eine Airline kann beispielsweise mit Hilfe von Keywords wie ‹Absturz›, ‹Flugzeugunglück› und so weiter verhindern, dass ihre Werbung in diesen Umfeldern erscheint.» Mit «vi protect» lässt sich laut eigenen Angaben Ad Fraud verhindern.

 



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