14.05.2018

Digitalswitzerland

«Wir müssen uns laufend neue Fähigkeiten aneignen»

Marc Walder ist die treibende Kraft von Digitalswitzerland. Im Interview sagt der Ringier-CEO, was die Standortinitiative bisher bereits erreicht hat und welche Ziele sie für das kommende Jahr hat.
Digitalswitzerland: «Wir müssen uns laufend neue Fähigkeiten aneignen»
«Es wird kaum noch Stabilität über längere Zeit geben», sagt Marc Walder zur Digitalisierung. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
von Matthias Ackeret

Herr Walder, Sie gelten als «Vater von Digitalswitzerland». Was hat die ganze Standortinitiative – abgesehen von einem grossen Interesse und einer überdurchschnittlichen Publizität – bis jetzt erreicht?
In erster Linie hat es Digitalswitzerland geschafft, Wirtschaft und Forschung – und zu gewissen Teilen auch die Politik – gemeinsam hinter einem Ziel zu versammeln: nämlich den digitalen Standort Schweiz nachhaltig zu stärken, ja gar führend in Europa zu machen. Wir haben eine Vielzahl von Projekten und Engagements. Einige haben wir selbst initiiert, andere unterstützen wir, geben ihnen Rückenwind und Auftrieb.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf den Digitaltag 2017. Es war der erste solche Tag in Europa. Ermöglicht haben ihn unsere Mitglieder. Und die drei Bundesräte Doris Leuthard, Johann Schneider-Ammann und Alain Berset, die sich dafür engagiert haben. Hunderttausende Schweizerinnen und Schweizer haben das Thema Digitalisierung erleben können. Jung und Alt, Gross und Klein. Am 25. Oktober findet der zweite Schweizer Digitaltag statt. Liechtenstein ist nun auch dabei.

«Schweizer sind gescheit und darum bereit, Dinge früh zu verändern»

Spüren Sie bei den Schweizer Unternehmen, aber auch bei der Verwaltung eine Bewusstseinsveränderung gegenüber der Digitalisierung?
Ich habe bis jetzt noch niemanden kennengelernt, der die Auswirkungen der Digitalisierung überschätzt hat. Taavi Kotka, der visionäre Mann, der Estland zu einem weltweit beachteten Showcase gemacht hat betreffend Digitalisierung, dieser Taavi Kotka hat mir einmal gesagt: «Weisst du, Marc, du hast einen schwierigen Job mit Digitalswitzerland.» «Warum?», habe ich gefragt. «Weil die Schweiz nicht leiden muss. Solange es der Schweiz so wahnsinnig gut geht, ist die Bereitschaft nicht besonders gross, umzudenken.»

Was haben Sie ihm geantwortet?
Dass die Schweizerinnen und Schweizer gescheit und darum bereit seien, Dinge früh genug zu verändern.

Man hat den Eindruck, dass neben den Chancen und Vorzügen der Digitalisierung auch immer mehr von Ängsten wie Jobabbau die Rede ist. Teilen Sie diese Erfahrung?
Diese Ängste sind omnipräsent und nachvollziehbar. Sie waren unser Antrieb, den Digitaltag 2017 voranzutreiben. Wir müssen die gesamte Bevölkerung für die Digitalisierung gewinnen, sodass alle davon profitieren können. Wenn wir es nicht schaffen, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, ja jede Einzelne und jeden Einzelnen in der Schweiz mitzunehmen, werden viele beginnen, zu blockieren und abzuklemmen, wie dies in anderen Ländern bereits ersichtlich ist. Diese Ängste zu adressieren, ist derzeit wohl eine der grössten Herausforderungen.

Wenn wir zehn Jahre vorausschauen: Wie viel neue Arbeitsstellen gehen durch die Digitalisierung verloren, und wie viele werden gewonnen?
Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit genau dieser Frage auseinandersetzen. Ich gehe hier einig mit Avenir Suisse, dass aufgrund der Digitalisierung zwar Jobs verloren gehen, aber auch mindestens so viele wieder neu geschaffen werden. Die Berufsbilder werden sich verändern – was übrigens in der Vergangenheit auch stets der Fall war –, nur wird die Geschwindigkeit dieser Veränderungen durch die Digitalisierung intensiviert werden. Das bedeutet, dass wir uns laufend neue Fähigkeiten und neues Wissen aneignen müssen.

Worauf wollen Sie hinaus?
Ich bin immer wieder erstaunt, dass sich der Lehrplan in den letzten vierzig Jahren nur marginal verändert hat. Meine Kinder lernen beinahe das Gleiche wie ich zu meiner Schulzeit. Dabei sind unsere Welt und die Anforderungen im späteren Berufsleben in vielen Bereichen komplett anders. Um mit den aktuellen Entwicklungen mitzuhalten, muss auch unser Bildungssystem entsprechend angepasst werden. Auch dort setzen wir mit unseren Initiativen an.


«Digitalisierung ist wie Fahrradfahren»

Ihr Ziel ist es, dass die Schweiz zu einem führenden Platz der digitalen Umwälzung wird. Hat sich diese Erwartung bereits erfüllt?
Ich glaube nicht, dass wir irgendwann einmal an einen Punkt gelangen, an dem wir sagen: So, jetzt haben wir’s geschafft! Es wird kaum noch Stabilität über längere Zeit geben. Das ist ein wenig wie beim Fahrradfahren: Stillstand ist schwierig, aber sobald man fährt und in Bewegung ist, wird es einfacher. Lebenslanges Lernen ist zentral – für Menschen genauso wie für Unternehmen und Institutionen.

Nun ist auch Google sehr prominent bei Digitalswitzerland vertreten. Gleichzeitig haben Sie mit der Werbevermarktungsfirma Admeira eine Konkurrenzorganisation hinsichtlich amerikanischer Konzerne geschaffen. Ist dies nicht ein Widerspruch?
Vorab: Die digitale, wirtschaftliche Realität ist voller Widersprüche. Hier allerdings gibt es keinen: Digitalswitzerland ist ja nicht die Initiative eines Medienunternehmens, sondern eine Schweizer Initiative, getragen von Wirtschaft, Wissenschaft und anderen relevanten Institutionen.

Google zieht jährlich rund 700 Millionen Franken vom Schweizer Werbemarkt ab. Ist dies für unser System keine «Bedrohung»?
Google ist in vielerlei Hinsicht stark, ja gar dominant, insbesondere im digitalen Werbemarkt. Bei Digitalswitzerland ist die Rolle von Google engagiert, unterstützend und hilfreich.

Welche Ziele haben Sie sich für das kommende Jahr gesetzt?

Die Standortinitiative ist heute wahrscheinlich grösser, als wir uns das je erträumt hätten. Damit ist sie auch komplex geworden. Wir haben eine Vielzahl von Projekten und Engagements. In diesem Jahr gilt es, diese untereinander optimal zu koordinieren.





Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von «persönlich». Informationen zum Abo gibt es hier.



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