13.04.2017

Wettstreit um Eishockeyrechte

Swisscom klagt gegen die UPC

Nun macht der blaue Riese ernst und hat bei der Wettbewerbskommission eine Klage eingereicht. Auf diesem Weg soll der Zugang zu den Schweizer Eishockeyspielen erreicht werden. Diese Rechte hat sich der neue Sportsender «MySports» gesichert. «Swisscom kämpft für ihre Eishockey-Fans», sagt ein Sprecher zu persoenlich.com.
Wettstreit um Eishockeyrechte: Swisscom klagt gegen die UPC
Solche Szenen, wie hier im Playoff-Final 2017 SC Bern gegen den EV Zug, soll es künftig nur noch auf «MySports» von UPC geben. Swisscom wehrt sich dagegen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle).

Im letzten Jahr sicherte sich die UPC die TV-Übertragungsrechte für Schweizer Eishockeyspiele bis 2022 – die Swisscom ging leer aus (persoenlich.com berichtete). Anfang April deutete CEO Urs Schaeppi an, dass die Swisscom in dieser Angelegenheit an die Wettbewerbskommission (Weko) gelangen könnte. Nun soll aus dieser Drohung offenbar bitterer Ernst werden: Der blaue Riese hat bei der Weko eine Klage gegen UPC eingereicht, wie «Watson» berichtet. Dem Onlineportal soll die Klage vorliegen.

Die Weko bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA den Eingang der Klage. Die Anzeige werde geprüft. Zum jetzigen Zeitpunkt könne die Wettbewerbsbehörde jedoch keine weiteren Angaben machen.

Die Swisscom fordert darin, eine Untersuchung gegen die UPC gemäss Art. 27 des Kartellgesetztes «wegen Anhaltspunkten für den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung zu eröffnen». Ausserdem sei die UPC zu verpflichten, dass allen TV-Plattformen in der Schweiz (einschliesslich der Swisscom-TV-Plattform) zu nicht-diskriminierenden Bedingungen Zugang zum gesamten Angebot von «MySports» – und damit den Eishockey-Rechten – gewährt würde.

Dieses Rechtsbegeheren hat eine brisante Vorgeschichte: Die Swisscom missbrauchte in der Vergangenheit ihrerseits ihre marktbeherrschende Stellung im Bereich der Übertragungsrechte für nationalen und internationalen Fussball sowie für die nationale Eishockey-Meisterschaft. So erhielt beispielsweise die UPC keinen Zugang zu diesen TV-Bildern. Deshalb muss sich die Swisscom zurzeit gegen eine Busse der Weko von fast 72 Millionen Franken wehren (persoenlich.com berichtete). Anders gesagt: Die Swisscom wirft laut «Watson» der UPC mit diesem Rechtsbegehren genau jenes Verhalten vor, das sie gemäss der Weko selber begangen hat.

Fussball wird allen angeboten

«Swisscom spielt Fairplay», so Sprecher Sepp Huber zu persoenlich.com. Teleclub als Rechteinhaber der Fussballübertragungen habe ihrerseits bereits im letzten Jahr sämtlichen Schweizer TV-Plattformanbietern ein Angebot zur Aufschaltung des vollständigen Sportangebots gemacht. «Allerdings haben die Kabelnetzbetreiber bislang darauf verzichtet, davon Gebrauch zu machen», so Huber.

Im aktuellen Fall argumentiert die UPC damit, «dass ihre Marktposition bei weitem nicht so marktbeherrschend sei wie damals jene der Swisscom», heisst es im «Watson»-Artikel weiter. Zudem würde sie nicht einmal die vollständigen Hockey-Rechte besitzen. Das ist in der Tat so: Denn die Rechte am Schweizer Cup, der Champions Hockey League und der nordamerikanischen NHL hält weiterhin die Swisscom. «Vor zehn Jahren hat Swisscom aus dem Nichts eine umfassende Eishockey-Redaktion aufgebaut und damit Eishockey auch in der Schweiz als Fernsehsportart etabliert», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber zu persoenlich.com.

UPC will «Monopol brechen»

Die ersteigerten Rechte will die UPC der Swisscom auf keinen Fall anbieten. «Wir haben uns mit ‹MySports› das Ziel gesetzt, das langjährige Monopol von Swisscom/Teleclub im Sportbereich zu breche», sagt UPC-Sprecher Bernard Strapp gegenüber der SDA. Dafür hätten sie einen hohen Millionenbetrag investiert. Um diese Investitionen zu schützen, würden sie das «MySports»-Signal nicht an Swisscom weitergeben.

UPC habe mit 14 TV-Anbietern Distributionsverträge für die Weitergabe von MySports abgeschlossen, sagte Strapp weiter. Weitere Partner können künftig dazukommen.

Stand heute müsste ein Sportfan, der auch nächste Saison alle Spiele der Schweizer Fussball- und Eishockeymeisterschaft sehen will, Abos bei beiden Kabelnetzbetreibern lösen. Aber, so versichert Sepp Huber: «Swisscom kämpft dafür, dass ihre Kunden künftig nicht auf das Schweizer Liga-Eishockey verzichten müssen und reichte darum bei der Weko eine Anzeige ein». (tim/cbe/sda)

 



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Kommentare

  • Beat Hanggartner, 13.04.2017 11:32 Uhr
    Gleiches Recht für Alle. Kann die Swisscom verstehen- und UPC hat ja selber damals geklagt...

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