13.05.2018

Detailhandel

Kinder im Fokus aggressiver Werbung

Mit Apps und Spielen wird zunehmend um die kleinsten Kunden geworben. Künftig gehts um Datensammeln. Ein «Tsunami an Data-Mining bei Kindern» stehe bevor, meint ein Experte.
Detailhandel: Kinder im Fokus aggressiver Werbung
Immer früher erhalten Kinder ihr eigenes Smartphone. Als Altersgrenze gilt oft das elfte Lebensjahr. (Bild: Keystone/Christof Schürpf)

Die Digitalisierung ermöglicht dem Detailhandel neue Wege, um Kinder als Kunden zu gewinnen. Unternehmen wie Lidl und Migros nutzen etwa Spiele-Apps im Werben um die jüngsten Kunden. Die kürzlich veröffentlichte Lädeli-App von Lidl bezeichnet Wirtschaftspsychologe Christian Fichter, Forschungsleiter der Kalaidos-Fachhochschule, als «Meisterstück». Über 8000-mal ist das Spiel schon heruntergeladen worden.

Der Werbebranche gehe es um Kundenbindung der nächsten Generation – und künftig auch ums Datensammeln, heisst es in der «SonntagsZeitung». «Noch sind die Anwendungen vielfach harmlos, man hat erst begonnen, mit neuen Technologien zu experimentieren», so Fichter. Doch die Unternehmen hätten in den letzten Jahren weitreichende Algorithmen zur Datenauswertung entwickelt. «Kommen die erst einmal zum Einsatz, rollt ein Tsunami an Data-Mining bei Kindern auf uns zu.» Der selbstständige Marketingexperte Cary Steinmann, früher bei Wirz tätig, sagt: «Haben die Firmen die Kinder im Datenkrakengriff, haben sie die gesamte Familie und damit viel Kaufkraft im Griff.»

Migros und Lidl versichern, über die Apps keine personenbezogenen Daten zu erheben. Google Analytics wertet jedoch für die beiden Unternehmen anonymisierte Daten aus. Fichter sieht die neue Welt des Sammelns von Daten junger Konsumenten jedoch so: Unternehmen könnten auswerten, welche Altersgruppen welche Produkte bei Facebook besonders häufig liken. Oder wie lange sich eine Zwölfjährige für eine bestimmte Jeans bei Zalando interessiere. Daraus liesse sich wie für Erwachsene personalisierte Werbung entwickeln. Fichter sieht laut «SonntagsZeitung» Handlungsbedarf zum Schutz der Kinder. Etwa, indem die Konsumentenschützer mehr Mittel für Kontrollen erhalten. Oder durch eine vermehrte Unterstützung des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. (pd/cbe)

 



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