10.04.2017

Switzerland's Digital DNA

Ein Leben offline? Für viele Schweizer undenkbar

Eine Umfrage der Beratungsagentur Oliver Wyman zeigt die hohe Internetaffinität der Schweizer Bevölkerung. Unternehmen könnten den Standort nutzen, um digitale Innovationen voranzutreiben – wenn es ihnen gelingt, Sicherheitsbedenken abzubauen.
Switzerland's Digital DNA: Ein Leben offline? Für viele Schweizer undenkbar

Knapp zwei Drittel der befragten Schweizer können nach eigener Aussage nicht länger als einen Tag ohne Onlinezugang auskommen. Auch im Privatleben zeigen sie eine rege Internetaktivität: drei Viertel surfen täglich über zwei Stunden ausserhalb der Arbeit. Dies sind Ergebnisse der Studie «Switzerland's Digital DNA» von Oliver Wyman, die auf einer repräsentativen Befragung von 2100 Personen basiert. «Unternehmen könnten die hohe Internetaffinität der Schweizer noch stärker nutzen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu lancieren», sagt Studienautor Nordal Cavadini, Partner bei Oliver Wyman in Zürich. «Das Land könnte so zum digitalen Innovationslabor in Europa werden», ergänzt Co-Studienautor Martin Gahr, Berater bei Oliver Wyman.

Private Daten stärker schützen

Als potenzielles Hemmnis sehen die Autoren jedoch den noch verbesserungswürdigen Schutz privater Daten. Bereits ein Fünftel der Befragten ist Opfer von Internetkriminalität geworden. 77 Prozent der Befragten befürchten eine wachsende Internetkriminalität und 68 Prozent rufen diesbezüglich nach mehr Regulierung: Wirtschaft und Politik seien aufgefordert, bestehende Sicherheitsbedenken abzubauen.

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Grundsätzlich sind die befragten Schweizer der digitalen Technik gegenüber sehr aufgeschlossen: 67 Prozent konstatieren einen positiven Einfluss auf ihr Leben. 74 Prozent erwarten eine Vereinfachung der Arbeit, 57 Prozent rechnen mit neuen Jobs durch die Digitalisierung, abhängig von der jeweiligen Branche. Eine Förderung von Bildung erhoffen sich 66 Prozent, 58 Prozent sehen positive Effekte für die Gesundheit voraus. Überwiegend wird das Internet in der Schweiz noch zur Information und zum Austausch genutzt. Persönliche Kommunikation erreicht dabei den höchsten Wert mit 79 Prozent vor Faktenchecks mit 61 Prozent.

Mehr unkonventionelle Partnerschaften

Für die Unternehmen gehe es nun darum, von den guten Voraussetzungen zu profitieren und mit digitalen Geschäftsmodellen Mehrwert für ihre Kunden zu erzeugen, so die Studienautoren. Aber es besteht Nachholbedarf beim digitalen Angebot, insbesondere ausserhalb der klassischen Onlineplattformen. Die Experten erwarten neue Allianzen – auch zwischen heutigen Wettbewerbern: «Unkonventionelle Partnerschaften werden im digitalen Zeitalter häufiger das Licht sehen», sagt Cavadini. Auch der öffentliche Sektor rückt für Kooperationen ins Blickfeld, etwa Spitäler, Krankenkassen oder Hochschulen, die gemäss der Umfrage besonders hohes Vertrauen der Bevölkerung im Umgang mit persönlichen Daten geniessen. «Es wäre nicht erstaunlich, wenn Unternehmen aus der Industrie oder dem Dienstleistungssektor mit solchen Einrichtungen kooperieren», sagt Cavadini.

Die Studie ist hier abrufbar. (sda/lom)



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