11.09.2017

Hinderling Volkart

«Auf die Vorhänge sollen digitale Kunstwerke»

Die Digitalagentur Hinderling Volkart ist umgezogen. Wie haben die Chefs das neue Büro im denkmalgeschützten Schlotterbeck-Areal eingerichtet? Kreativchef Michael Hinderling über das Interior-Konzept, Wepublish und Unternehmensberatung als Wachstumsfeld der Agentur, die dieses Jahr ihr 10-Jahr-Jubiläum feiert.
Hinderling Volkart: «Auf die Vorhänge sollen digitale Kunstwerke»
2007 gründete er zusammen mit Michael Volkart die Digitalagentur Hinderling Volkart, welche heute an drei Standorten über 40 Leute beschäftigt: Michael Hinderling. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Hinderling, was für eine Aussicht haben Sie am neuen Arbeitsplatz?
Wir sehen alle direkt ins Grüne. Gleich angrenzend an die Fabrikhalle ist der Park «Heiligfeld». Das war für mich die grösste Überraschung, als wir das Areal das erste Mal besucht haben. Der Park ist von der Hauptstrasse aus nicht sichtbar und deshalb eher unbekannt.

Mussten Sie alle Möbel zügeln?
Einige haben wir mitgenommen, vieles haben wir aber speziell für den neuen Standort ausgewählt. Durch eine Zusammenrarbeit mit Vitra, die unser Projekt als Case-Study verwenden möchte, erhielten wir besonders spannende Möglichkeiten.

«Spannende Möglichkeiten» tönt nach vorteilhaften Einkaufsbedingungen. Was verspricht sich Vitra von der Partnerschaft?
Wie unsere Digitalagentur beschäftigt sich auch Vitra mit neuen Formen des Arbeitens - es war also eine spannende Zusammenarbeit. Dazu kommt, dass das denkmalgeschütztes Gebäude, ursprünglich eine Citroën-Fabrikhalle aus dem Jahre 1951, eine schöne Bühne für die Möbel bildet. Auch unsere Vision mit einem intelligenten Vorhangsystem liess sich gut mit dem Einrichtungskonzept in Einklang bringen.

Was für Vorhänge sind das?
Es handelt sich um ein automatisiertes, über eine Software steuerbares Vorhangschienensystem. Es soll durch die gesamte Fabrikhalle in verschiedenen «Loops» installiert werden. Zum einen soll das System verschiedene Arbeitsbereiche temporär voneinander trennen. Zum anderen dient das System als Träger von Informationen: Auf spezielle Vorhänge sollen digitale Kunstwerke und Inhalte von Computerbildschirmen der Mitarbeiter projiziert werden können. Das ist zumindest unsere Vision – schön wäre, diese Vorhänge bereits zu unserem 10-Jahr-Jubiläumsanlass im November hängen zu haben.

Wurde es an der Pflanzschulstrasse zu eng?
Es ist nicht unser Ziel, mehr Mitarbeiter unterzubringen, sondern wir waren auf der Suche nach einem Raum, der all unsere Mitarbeiter auf einer Etage verbindet und genug Platz für verschiedene Arten der Zusammenarbeit und für unsere Ideen zulässt. Wichtig ist uns auch, dass unser neues Office in Zürich als Hub für die anderen Standorte dient. Es soll also immer genug Platz für unser Netzwerk bieten. 

Was heisst das?
Je nach Art der Arbeit können unsere Mitarbeiter nun im Bistro arbeiten, im Park oder in einem unserer zahlreichen Meeting- und Workshop-Räume. Zudem haben wir diverse andere, offene Arbeitsbereiche sowie ein kleines Studio für Fotografie, Bewegtbild und Virtual Reality.


«An vordester Stelle stand die Raumeinteilung, resp. das Interior-Konzept. Nur rund die Hälfte der grossen Halle ist mit fixen Arbeitsplätzen versehen, wir nennen das Fokus-Zone». Der Rest bietet Platz für andere Arten der Kommunikation und Kollaboration, die Interaktions-Zonen: Dies sind halb offene Räume, Meeting-Boxen in verschiedenen Grössen, Nischen, Bistro-Bereiche, Lounge-Bereiche, etc. Wichtig war uns auch die Qualität der Möbel und Materialien. Wir haben uns da bis ins Detail vertieft – z.B. bei der Auswahl der Textilien. Den Prozess haben wir übrigens mit internen Fokusgruppen konzipiert und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Das ganze geschah in Begleitung eines Architekten-Duos Luiz Albisser und Luis Bischoff». Michael Hinderling.


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Woran arbeiten Ihre Mitarbeiter momentan?
Ein Projekt, das uns stark beschäftigt, ist der neue Webauftritt von Schweiz Tourismus. Wir sind verantwortlich für die digitale Gesamtbetreuung über die nächsten 4 Jahre. Dieses Projekt umfasst alle Webseiten und Inhalte von myswitzerland.com – ein riesiges Portal mit hunderten von Subsites. Die Anforderungen sind sehr hoch, denn die Website soll nicht nur technisch top sein, sondern gleichzeitig innovativ, kreativ und stilvoll.

Was sind hier die Trends?
Wir werden ein komplexes Portal bauen, welches allen Usability- und Accessibility-Ansprüchen mehr als Gerecht wird und dazu eine Immersive Experience beinhalten wird – eine Inspirationsplattform basierend auf Virtual Reality.

Uns sonst: Woran arbeiten Sie?
In Ergänzung zum Daily Business schnuppern wir grad viel internationale Luft: Neben Ferrari arbeiten wir auch für die Uno, die Lufthansa Group und Eurowings. Spannend ist auch, ein Projekt für eine grosse, renommierte Anwaltskanzlei eine Website zu realisieren, wobei auch der gesamte Rebranding Prozess dazu gehört. Auch sind wir am Relaunch der Website für die Schweizer Jugenherbergen. Als Kontrast dazu haben wir noch einige kleinere Projekte auf dem Tisch, so z.B. eine Website für eine junge, international angesagte Dirigentin oder das Mountain-Coworking Projekt «Mia Engadina».

Daneben sind Sie bei Wepublish, dem Journalismus-Projekt von Hansi Voigt, mit an Bord.
Wir wurden angefragt, weil neben der strategischen und technischen Kompetenz ein Partner gesucht wurde, der sich mit Digital Branding, UX und Frontend-Technologien auskennt. Wir beobachten schon länger die Entwicklung im Journalismus und finden Projekte in diesem Bereich sehr spannend und unterstützenswert – auch wenn in diesem spezifischen Fall noch einige Fragen offen sind.

Die Finanzierung zum Beispiel.
Ja. Unser erstes Engagement geschieht aus Goodwill. Jetzt muss sich zeigen, ob das Projekt auch Geldgeber finden wird und eine Nachfrage am Markt vorhanden ist – dann können wir mit unserer Arbeit weiterfahren.

Vor einem Jahr haben Sie HV Lab lanciert. Gibt es diese Abteilung noch?
(lacht). HV Lab gibt es noch, doch es ist sozusagen in den Winterschlaf gefallen. Wir haben innerhalb des Labs im letzten Jahr die balloon.earth Experience lanciert, eine Plattform für Kunst-Editionen im Fotografie Bereich und einen elektronischen Art-Screen konzipiert sowie ein Mobile Game realisiert. Nun hat es sich so ergeben, dass wir mit Gérald Marolf, der das Lab leitete, zusammen mit Till Ramstein in Basel «HV Italic» ins Leben gerufen haben. Daher liessen wir dieses Projekt vorerst ruhen. Wir haben aber einige neue Ideen, welche wir dann gegen Jahr starten möchten.

Was ist Ihr Ziel mit «HV Italic»?
In Basel haben wir eine leicht andere Positionierung als in Zürich und Bern. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, haben wir die Agentur nicht Hinderling Volkart Basel genannt, sondern «HV Italic». Wir wollen uns dort vor allem auf Kunst und Kultur und Digital Branding konzentrieren. Zudem bietet das Einzugsgebiet auch die Möglichkeit, in Europa vermehrt unsere Fäden zu spannen. Auch wollen wir in punkto Stil je nach Möglichkeit auch mal etwas experimenteller sein.

Und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von HV Bern?
Sehr. Luzern Tourismus, Bern Tourismus, Rivella, etc. sind Kunden der Agentur in Bern. Alles läuft nach Plan und es sind mittlerweilen acht Leute in Bern angestellt. Für uns ist die Gründung dort ein perfektes Erfolgserlebnis.

Sie haben daneben vor, eine neue Einheit für Unternehmensberatung zu gründen.
Ja, dieses Projekt ist schon sehr weit fortgeschritten. Die neue Einheit soll den Namen HV Shift tragen. 

Was bietet «HV Shift»?
Wir möchten unseren Kunden und anderen Unternehmen aufzeigen, wie sie aus der Digitalisierung profit schlagen können. Mit konkreten Ideen, kreativen Strategien und digitalen Services. Die Digitale Transformation bringt nicht nur Risiken, sondern auch sehr viele Chancen mit. Diese gilt es zu identifizieren, analyisieren und daraus lässt sich meistens etwas Neues konzipieren. Wir möchten keine Power-Point-Slides, sondern konkrete Ideen liefern und vor allem möchten wir in Zusammenarbeit mit Hinderling Volkart den Graben zwischen Strategie und Umsetzung schliessen.

Warum können Sie diese Dienstleistungen nicht einfach unter HV anbieten?
Das wäre auch eine Option. Wir glauben aber, dass es eine grössere Kraft hat, wenn wir dies mit einer selbstständigen HV-Einheit anbieten. Zudem möchten wir uns bei Hinderling Volkart nach wie vor auf unsere Kernkompetenzen fokussieren.

War HV Shift eine Idee von Curdin Janett? Er ist ja seit einigen Wochen im HV-Verwaltungsrat.
Nein, die Idee ist schon etwas älter – das Kundenbedürfnis für diese Dienstleistung ist schon länger spürbar. Curdin bringt hier sicher wertvolles strategisches Know-how mit, wobei er selten operativ in den Vordergrund treten wird – Curdin hat sich ja mit seinem Fromage Manuerhofer bewusst in einem ganz anderen Feld positioniert.

 



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