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Verrückte Zeiten

Matthias Ackeret

Was sind das für verrückte Zeiten? Fazit nach dem ersten Monat des neuen Jahres: Es herrscht wirklich Disruption, um diese abgelutschte Modewort zu gebrauchen.

Die altehrwürdige SRG bröckelt, die noch altehrwürdigere Schweizer Depeschenagentur streikt und zwischen den Grossverlagen Ringier und Tamedia herrscht eine Eiszeit, die jede Erderwärmungsdebatte ad absurdum führt. Ringier-Chefkolumnist Frank A. Meyer warf Tamedia-Verleger Pietro Supino in bester «Albisgüetlirhetorik» und mit Wortgewalt sinngemäss medialen Landesverrat vor und erklärt ihn bereits jetzt zum Kriegsgewinnler, sollte die SRG wider Erwarten wirklich untergehen. Pointierte Worte, paradoxerweise ausgesprochen in Meyers Berliner Exil, die den Angeschossenen – selbstredend – zu einem Dementi zwangen. Die Tamedia, so verkündete Supino letzte Woche am «Tages-Anzeiger»-Meeting im Zürcher Schiffbau, stehe voll hinter der SRG. Was, ehrlich gesagt, niemanden überrascht.

Es wird in diesen Tagen viel über die Medien – und deren Zukunft – fabuliert: Über Service public, Plan B und Plan R. Eine Bieridee – Abschaffung der Billag-Gebühren – wird zum kollektiven Stammtischheuler. Dagegen hat selbst #MeToo keine Chance. War bis vor kurzem die SRG bindendes Element der Schweiz, so ist es heute die Diskussion über deren Zukunft. Doch bis zum 4.März – Tag der No-Billag-Abstimmung – ist keine Beruhigung in Sicht. Wenn selbst der Gewerbeverbandsdirektor zum Medienpolitiker mutiert, ist die Lage ernst. Und auch ein bisschen grotesk. Erkenntnis: Disruption ist gut. Aber – wie die jetzige Diskussion beweist – am besten in den Lehrbüchern.

Das einzig Zuverlässige in diesen Tagen war der grösste Disrupter überhaupt: Donald Trump. Der amerikanische Präsident hielt Wort und kam nach Davos. Trotz Budgetflaute und Ehekrise.

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