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Keine Frauen? Viele Gründe!

Stefan Millius

Er kriegt gerade ordentlich Haue, Franz Fischlin, Moderator des «Medienclubs» auf SRF. Er hatte es doch tatsächlich gewagt, eine reine Männerrunde in seine Sendung einzuladen (persoenlich.com berichtete). Prominente Schelte kam von Politikberater Mark Balsiger, der rhetorisch fragte, ob man «eigentlich Eier braucht, um Frauen einzuladen». Die Antwort ist: Ja, die braucht man als Medienschaffender tatsächlich.

Nicht etwa, weil Frauen nichts zu sagen hätten oder wir sie nicht mögen, nein. Die Schweiz ist voll von erfolgreichen Frauen, die zu jedem Thema wertvolle Beiträge beisteuern könnten. Aber über die konkreten Gründe hinaus, die Franz Fischlin zu seiner Verteidigung vorbrachte, gibt es auch ein ganz allgemeines Argument gegen Einladungen an Frauen: Sie wollen oft nicht. Und wenn doch, dann nur unter tausend Vorbehalten.

Das ist natürlich eine absolut unzulässige Pauschalisierung, und ich entschuldige mich bei allen Frauen, auf die das nicht zutrifft. Nur leider trifft die Verallgemeinerung in vielen Fällen zu. Wie oft haben wir versucht, für diverse Publikationen eine weibliche Stimme zu finden. Und wie oft war die Antwort negativ bis – vorsichtig ausgedrückt – kompliziert. Männer, sogar die grössten Pfeifen, trauen sich einfach alles zu. Frauen wägen endlos ab. Das ist natürlich im Grunde eine Qualität, aber wenn man unter Zeitdruck einen Text oder eine Sendung realisieren muss, erschwert es die Aufgabe.

Einige Standardantworten, denen ich in 25 Jahren journalistischer Arbeit begegnet bin: «Ich bin da nicht die richtige, ich befasse mich erst seit 30 Jahren mit dem Thema.» – «Das klingt interessant, aber der Zeitpunkt ist nicht so ideal, ich habe gerade viel zu tun, in sechs Monaten wäre es besser.» – «Gut, kann ich machen, aber ich will zuerst wissen, wer sonst noch befragt wird und was sie sagen.» – «Okay, aber ohne Bild bitte!» Die Krönung war eine kleine Umfrage am Rande eines Unternehmeranlasses. Es ging nur um kurze Statements, aber eine angesprochene Dame sagte allen Ernstes: «Nehmen Sie doch meinen Mann, er steht da hinten beim Buffet.»

In schöner Regelmässigkeit erhalten wir Rückmeldungen von Frauen, die sich über ein männerlastiges Magazin beschweren. Bieten wir diesen an, das Manko doch gleich selbst zu beheben mit einem Interview, so heisst es «Das ist nett, aber…» Siehe oben. Wenn frau uns das Leben leichter machen würde, klappts auch mit der Quote.


Stefan Millius ist geschäftsführender Partner der Kommunikationsagentur Insomnia in St. Gallen.

 

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Kommentare

  • Karin Fagetti, 19.05.2017 12:22 Uhr
    Hoi Stefan, wie gesagt, ich freue mich auf ein Angebot von euch! Und greife auch gerne selber in die Tasten, auch zu einem schwierigen Thema - mit Bild! Beste Grüsse, Karin
  • Lovey Wymann, 20.05.2017 11:31 Uhr
    Ich auch! Themen zb geschlechtsneutral kommunizieren, Mobilität mit Behinderung, content marketing, kundenzentriert kommunizieren ...
  • Riccarda Mecklenburg, 15.06.2017 15:08 Uhr
    Lieber Herr Millius ich weiss, das ist ein sehr nerviger Punkt bei Frauen, dass sie so ängstlich sind, weil sie denken, sie blamieren sich. Mädchen werden über das Beschämen erzogen und das will frau ihr Leben lang vermeiden. Da sind Jungs ganz anders gestrickt, und werden ermutigt es wieder erneut zu versuchen, wenn es mal in die Hosen gegangen ist... ich will das jetzt nicht episch weiter auslegen und mich für die platte Verallgemeinerung entschuldigen. Wir wissen alle, wenn wir in uns reinhören, von was ich spreche. Vielleicht hilft es, wenn eine Frau eine andere Frau motiviert. Ich habe es jetzt ganz persönlich erlebt, dass ich andere Frauen eingeladen habe mit aufs Podium zu kommen, oder als Expertin für das gesuchte Thema aufzutreten. Das hat ganz gut geklappt. Und die Angstschwelle gesenkt. Aber damit meine ich nicht, dass man seine Assistentin jetzt zum Überreden losschicken soll, das hilft auch nicht. Sondern da ganze Setting sollte ausgeglichener aufgestellt sein.

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