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«Hallo SRF» hat Vorbildcharakter

Marcus Knill

Die Genossenschaft RFZ (die heutige SRG-Trägerschaft Zürich/Schaffhausen) nahm sich schon vor Jahren vor, das Publikum von Radio und Fernsehen vermehrt mit einzubeziehen. Als Vorstandsmitglied der RFZ wurde mir aber damals bewusst, dass die Genossenschaft eher eine Alibifunktion hatte und eine Mitsprache des Publikums eher unerwünscht war. Es fehlte ein Konzept dafür, wie eine glaubwürdige Brücke zwischen RFZ und Publikum gebaut werden kann. Im Laufe der letzten Jahre ist nun hinsichtlich Publikumskontakte ein Wandel eingetreten. Das Publikum wird ernster genommen und SRF sucht systematisch eine glaubwürdige Verbindung zum Publikum.

Bei einem Kommunikationskonzept gibt es nur ein einziges Ziel. Diese Kernbotschaft muss im Zentrum stehen und die Aktionen haben sich diesem Ziel unterzuordnen. In der neuen Kommunikationsstrategie wurde ersichtlich, dass beim SRF-Konzept die Anstrengung für einen besseren Miteinbezug des Publikums ein echtes Anliegen ist. Auf dieses Kernziel wurde mit unterschiedlichsten Aktionen hingearbeitet. Der roter Faden war immer deutlicher erkennbar.

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Kommunikation heisst bekanntlich Austausch. SRF pflegt nun einen besseren Dialog mit dem Publikum. 2015 fand die erste «Hallo SRF»-TV-Sendung statt, in der SRF-Direktor Ruedi Matter Fragen des Publikums beantwortete (persoenlich.com berichtete).

2016 folgten weitere «Hallo SRF»-Sendungen im Radio und Fernsehen, zudem wurde der Dialog gezielt in die Regionen hinausgetragen mit Veranstaltungen in Brig, Aarau, Winterthur, St. Gallen, Bern et cetera.

Mit diesem Modell hatte übrigens auch die neue Bank Notenstein Erfolg. Der CEO scheute den Aufwand nicht und besuchte persönlich alle Regionalbanken in der ganzen Schweiz.

SRF machte es ähnlich: Wichtig ist dabei, dass man sich beteiligen kann, dass alle Fragen gestellt werden dürfen, man offen für Kritik ist und, dass das Verständnis für die Arbeit hinter den Kulissen gefördert wird.

Mit «Hallo SRF» versuchte der SRF-Direktor Ruedi Matter auch den persönlichen Dialog mit dem Publikum. Er stellte sich den Fragen der Konsumenten. Obschon mich der erste Auftritt in der ersten Sendung «Hallo SRF» weniger überzeugt hatte – die Antworten waren aus meiner Sicht zu unverbindlich, gleichsam einer Pflichtübung – so überzeugte er in der zweiten Sendung mit viel konkreteren Antworten. Er wirkte engagierter und das Publikum fühlte sich direkt angesprochen. Matter nimmt aus meiner Sicht heute das Publikum ernst.

Der jüngste Brückenschlag zum Publikum, die «Hallo SRF»- Publikumswoche, hat nun sogar Vorbildcharakter.

50 Personen wurden ausgewählt und durften während einer Woche beim Programm mitwirken. Diese Vertreterinnen und Vertreter des Publikums setzten sich enorm ein. Ich habe ihre Arbeit vor Ort miterleben dürfen. Sie werden nun gleichsam zu Botschaftern des offenen SRF-Spirits. Wenn jeder der 50 nur schon bei je 30 bei 40 Bekannten von seinem Erlebnis begeistert erzählt, so kommt es zu einem positiven Multiplikationseffekt. 50x40= 2000 Personen werden umgehend davon hören und erzählen Details ihrerseits wieder weiter.

Lobenswert ist bei allen Aktionen: Der rote Faden ist sichtbar. Es geht immer um die Dachbotschaft: Den Brückenschlag zwischen Medium und Publikum. Menschen wurden konkret mit einbezogen und das Verständnis für die Arbeit der Medienschaffenden wurde mit den Aktionen tatsächlich nachhaltig gefördert.

Wenn versucht wird, die erfolgreiche Publikumswoche als gesteuerte PR Aktion gegen die No-Billag-Initiative abzuwerten, so ist zu sagen, dass das Konzept zur Verbesserung des Publikumskontaktes schon vor Jahren aufgegleist worden war. Das Ziel hatte keinen politischen Hintergrund. Es ging immer nur um das Anliegen: Das Publikum ernst nehmen und es mit einbeziehen.

Wenn SRF nun mit dieser Publikumswoche so ein gutes Modell des Brückenschlags und Austausches vorlebt, dann sollte man dies einfach würdigen.




Marcus Knill ist Experte für Medienrhetorik und Autor der virtuellen Navigationsplattform für Kommunikation und Medien www.rhetorik.ch.

Der Autor vertritt seine eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Peter Eberhard, 16.10.2017 17:03 Uhr
    Wenn SRF jetzt andere die Arbeit gratis machen lässt, müsste doch eigentlich die jährliche Mediensteuer auf unter 400 CHF gesenkt werden :-)

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