BLOG

Ein Porsche ohne Bremse

Matthias Ackeret

Was verbindet den Fussball und die SRG. Eigentlich nichts, ausser es geht schief. Dann ist der Schuldige immer ein Walliser. Die verlorene Meisterschaft in Basel? Trainer Wicky. Die korrupte Fifa? Die Funktionäre Blatter und Infantino. Das Tollhaus in der Fussballliga? FC-Sion-Präsident Constantin. Woraus wir lernen: Walliser sind als Sündenböcke multifunktional einsetzbar.

Dasselbe nun bei der SRG. Ohne Ex-SRG-Generaldirektor Armin Walpen, so Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger in einer TV-Dok des Schweizer Fernsehens, wäre die SRG gar nie in diese Schräglage geraten. Dessen «arrogantes Auftreten» und dominantes Lobbying sei der Urknall für «No Billag». Bildlich ausgedrückt: wie ein Porsche ohne Bremse. Manchmal, so der ehemalige Medienminister Leuenberger, habe er gar nicht mehr begriffen, was sein SRG-Generaldirektor aus dem Goms eigentlich alles wollte. Nur so viel war klar: er wollte alles. Für «seine» SRG.

Armin Walpens Comeback als «Sündenbock» ist erstaunlich. Sein Rücktritt liegt bald zehn Jahre zurück – und in der De-Weck-Ära zeichnete sich der Staatssender auch nicht gerade durch Enthaltsamkeit aus.

Seinen ersten grossen Fight lieferte Walpen übrigens mit Roger Schawinski vor bald vierzig Jahren. Als «kleiner Bundesbeamter» kämpfte er gegen dessen Mammutantenne auf dem italienischen Pizzo Groppera. Wie wir wissen: vergeblich. Damals entdeckte auch Moritz Leuenberger die Medienpolitik: Als Zürcher SP-Gemeinderat wehrte er sich gegen die Aufnahme des Schawinski-Senders ins städtische Kabelnetz.

Doch zurück zur SRG: fussballerisch gesehen war «No Billag» ein Kantersieg für die SRG. Dialektisch gesehen: Vielleicht sogar Walpens verspäteter Triumph. Und die Erkenntnis: selbst im Siegesrausch ist ein Walliser der Sündenbock.


Matthias Ackeret ist Chefredaktor von «persönlich».

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Die neuesten Blogs

Zum Seitenanfang