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Dem Frieden zuliebe!

Matthias Ackeret

Am 5. April 1798 verteidigten die Berner ihre Stadt vor den eindringenden Franzosen. Der Einsatz war heroisch, aber vergebens. Jetzt, 220 Jahre später, wiederholt sich Ähnliches: zwar ohne Blutvergiessen, doch fast gleich emotional. Die Berner wehren sich gegen die drohende Aufhebung ihres SRG-Radiostudios und Verlegung ins Leutschenbach. Das Motiv: Kosteneinsparungen. Die Heftigkeit des Protestes überrascht: Die Rede ist von «Schock» und «Erpressung». Damit würde die «Eigenständigkeit der glaubwürdigen Informationssendungen» gefährdet, schreiben 160 Radiomitarbeiter in einer Petition an die SRG-Spitze und die Medienministerin (persoenlich.com berichtete).

Nun ist Zürich nicht Sibirien und das Leutschenbach auch nicht St. Helena. Doch der Schreibende hat für den bernischen Widerstand Verständnis. Gerade in Zeiten, in denen die ganze Medienschweiz mit einem publizistischen Medienbrei nach Zürcher Art zu versinken droht, kann die SRG ein Zeichen setzen. Der Auftrag der Stimmbürger nach der «No Billag»-Schlacht ist klar: Service public. Was wiederum heisst: Ein gebührenfinanziertes Medium hat nur seine Berechtigung, wenn es nicht ausschliesslich nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführt wird. Darum lasst den Bernern ihr Radiostudio. Dem Frieden zuliebe – und vielleicht auch als Service public.

In Basel übrigens hat es auch funktioniert: Die SRG hat ihre ganze Kulturabteilung von der Limmat ans Rheinknie verlegt. Was der Idee einer Zusammenführung von Radio und Fernsehen in einem einzigen Leutschenbach-Studio diametral widerspricht. Für den Palast, in dem sich die SRG einmietet, blieb sich das Unternehmen treu: man wählte einen Einheimischen. Zwar nicht den billigsten, dafür weltbekannt: Herzog & de Meuron. Das ist wahrer Service public.         

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Kommentare

  • Victor Brunner, 23.04.2018 12:11 Uhr
    Ein guter Kommentar von Ackermann. SRG muss ein Zeichen setzen und die regional Berichterstattung stärken. Mit Redaktionen in allen Regionen, St. Gallen, Chur, Zürich, Basel, St. Gallen, Luzern, Bern, Lausanne, Genf, Lugano. Das ist auch Aufgabe der SRG. Zürich darf nicht zum Meinungsmacher für die Schweiz werden, auch wenn der der TA diese zentralistische und undemokratische Berichterstattung forciert! Wenn Verleger keine publizistischen Verantwortung mehr übernehmen ist das eine grosse Chance für SRG!

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