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Das Schweigen der Lämmer

Matthias Ackeret

Noch vor zwei Monaten die letzten Erfolgsmeldungen: Einweihung der neuen Publicitas-Filiale in Genf und Verlängerung der Zusammenarbeit mit den SBB. Vor einer Woche aber kam das abrupte Ende einer 128-jährigen Geschichte: durch Konkurs. Die «P» war mehr als ein normaler Anzeigenvermittler, sie war ein Mythos. Für die Verleger übernahm sie die Rolle einer fürsorgenden Mutter, einer Domina und eines Sündenbocks. Und dies in Personalunion, mit wechselnder Reihenfolge.

Umso erstaunlicher ist der publizistische Widerhall. Denn dieser ist erstaunlich gering. Wie viele Druckerschwärze wurde über Admeira, die SDA, die «No Billag»-Initiative oder den Verkauf der BaZ verwendet. Oder den Bündner Bauskandal. Beim «Fall P» herrscht in unseren Medien dezente Zurückhaltung.

Zwei Beispiele: Der «Tages-Anzeiger» brachte nach Verkündung des Konkurses eine grössere Agenturmeldung, die «SonntagsZeitung» gar nichts. Kein Wort darüber, dass Tamedia wegen ihres plötzlichen Ausstiegs kritisiert wurde. Dafür analysierte die «NZZ am Sonntag» vergangene Woche ganzseitig den Untergang der «P». Ab 2002 habe – Zitat – der «Abstieg mit aller Macht» begonnen. Dass die NZZ gerade in jener Zeit ihren gesamten Anzeigenverkauf an die Publicitas abgetreten hatte, übersieht das Blatt grosszügig. Damit verlor die «P» aber ihre viel beschworene Neutralität.

So stirbt die «P», wie es in Todesanzeigen heisst, sanft – und vor allem still. Noch vor zehn Jahren drohten die Verantwortlichen mit der Verlegung ihres Geschäftssitzes in das chinesische Schanghai. Jetzt sind die Konkursämter in Wallisellen und Aussersihl-Zürich zuständig. Im Tessin zeigen sich bereits die ersten Konsequenzen: Die Tageszeitung «Giornale del popolo» stellte wegen des Konkurses ihren Betrieb ein. Weitere werden folgen. Für die gebeutelte Zeitungsbranche ein Desaster.

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Kommentare

  • Ueli Zwahlen, 29.05.2018 11:14 Uhr
    Da versinkt ein Hochsee-Frachter und keiner getraut sich darüber zu schreiben. Viele Menschen, die über Jahre auf dem Frachter gearbeitet und für den Erfolg gekämpft haben, fühlen sich nun im Stich gelassen. Von der "P"-Führung, von den Medien und von der ganzen Branche. Der Untergang des Frachters wurde durch die Besitzer in einem Konferenz-Call per Telefon kurz und knapp kommentiert. Ganz im Sinne: Ich war Chef und bin dann mal weg! Verantwortung ist nicht jedermanns Stärke! Die Verlierer sind nicht die Mitarbeitenden. Die meisten können voller Stolz in den Spiegel schauen und sagen: Ich habe gekämpft! Die Verlierer sind diejenigen, die sich irrtümlich als Sieger sehen! Geld alleine macht nicht glücklich. Viel glücklicher ist, wer von seinem Nachbarn mit einem herzlichen Lachen auf eine Grill-Wurst eingeladen wird. Kopf hoch liebe Ex-Pler. Ihr findet alle euren Platz in der Arbeitswelt und zudem viel mehr Wertschätzung als bisher!

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