Res Strehle – Chefredaktor auf Zeit?

Matthias Ackeret

Journalist Daniel Suter ist ein Mann der markigen Worte. Dass er die Abbaupläne seines Arbeitgebers Tamedia als «Mai-Massaker» bezeichnete und eine mittägliche Demonstration vor dem Zürcher Verlagsgebäude organisierte, mochte seinem Jobverständnis als Präsident der Personalkommission entsprechen, karrieremässig war es wenig förderlich. Zwei Tage später war der 60-jährige Suter das, was 52 seiner Kollegen auch: ein ehemaliger «Tagi»-Mitarbeiter.

Dass der aufmüpfige Suter seinen Platz räumen musste, mag der harten Realität des Kapitalismus entsprechen. Dass es ausgerechnet beim links- liberalen «Tagi» geschah, dem erklärten Kampfblatt für Transparenz und Meinungsfreiheit, erstaunt umso mehr und deutet auf starke Nervosität in der Teppichetage hin.

So nützte es Suter nur wenig, dass mit Res Strehle, dem ehemaligen Mitgründer der linken Wochenzeitung «WOZ», ein ideologischer Gesinnungsgenosse zu einem der beiden Chefredaktoren und damit Mitverantwortlichen der Umstrukturierung ernannt wurde.

Aber nicht einmal dessen Job scheint sicher. So referierte Tamedia-CEO Martin Kall unlängst auf dem thurgauischen Lilienberg über die Gründe für eine doppelte «Tagi»-Chefredaktion, welche – bei geschrumpfter Redaktion – jeglichem mathematischen Prinzip widerspricht. So plauschte Kall vor interessiertem Publikum, wenn es einen gäbe, der beide Funktionen übernehmen könnte, wäre er für jeden Tipp dankbar. Bedeutet das am Ende – um in der Suterschen Kampfrhetorik zu bleiben –, dass die «Tagi»-Revolution am Ende gar noch ihre eigenen Kinder frisst?

Matthias Ackeret
Sonntag, 7. Juni 2009 um 19:33 Uhr
  • Dani Sidler
    Jun 9th, 2009 um 08:31 Uhr | #1

    Eignen würde sich beispielsweise Shigeru Ban, der japanische Stararchitekt, der – ganz im Zeichen der Zeit – ein «nachhaltiges und kilmaneutrales» Tagigebäude entworfen hat. Das Mansardendach des Glasbaus soll die architektonische Sprache des Quartiers aufnehmen, heisst es aus dem Tagi, und die Statik des Gebäudes sprichwörtlich erfass- und begreifbar machen. Bei einem solch grossen Wurf braucht es doch die Zeitung gar nicht mehr.

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