Knistert es zwischen Bund und tagesanzeiger.ch?

Christian Lüscher

Beim Durchstöbern des SMD-Archivs ist mir ein kurzer Artikel, genauer eine Präzisierung, von Newsnetz-Chef Peter Wälty aufgefallen:

«Lust am letzten Schuss»

Im Text «Die Lust am letzten Schuss» («Bund» vom 13. März 2009, Seite 2) hat Marlis Prinzing die Berichterstattung von Online-Medien über den Amoklauf in Winnenden kritisiert. Dabei kann der Eindruck entstehen, Tagesanzeiger.ch (der wie «Der Bund» zum Newsnetz gehört) habe ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen sei, wie der Täter «niedergestreckt wird und sich den Todesschuss setzt». Das ist so falsch. Das von Tagesanzeiger.ch und allen anderen Newsnetz-Titeln publizierte Video zeigt lediglich den Täter, wie er sich auf dem Parkplatz bewegt. Andere Szenen sind vor der Publikation von der Redaktion herausgeschnitten worden. Prinzing hat damit das gemacht, was sie Online-Medien vorwirft, nämlich um der Skandalisierung willen einen per se eindeutigen Sachverhalt verzerrt.

Peter Wälty

Ungewöhnlich ist die Sache ja schon, dass zwei Partnertitel sich gegenseitig in der Öffentlichkeit kritisieren. Eigentlich werden doch solche Fehlleistungen intern besprochen und kritisiert. Sagt uns das etwas über das Verhältnis der beiden Titel? Ich denke schon. Das Newsnetz hat nicht nur ausserhalb, sondern auch intern Kritiker.

Und jetzt noch was anderes zum Fall “Amoklauf in Winnenden”: Auf diesem Blog finden Sie eine Aufzeichnung der Abendnachrichten. Nicht wirklich eine Satire. Medienethisch sehr bedenklich.

Christian Lüscher
Montag, 16. März 2009 um 11:16 Uhr

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