Konvergenz, oder “Nie wieder einsam”
Multimedia, Crossmedia, Konvergenz. Ja, was ist das nun alles? Worin unterscheidet sich denn das alles bloss? Oder ist es am Ende gar das Gleiche, bloss anders gesagt?
Es war einmal… (nicht so lange her, wie der Satzeinstieg insinuiert) …eine Zeit, da hatte ich ein Telefon, ein Fernsehapparat und ein Radio. Meistens schön separiert liefen da die, wie man heute sage würde “plattformspezifischen“ Angebote: Am Telefon wurde ohne Bild telefoniert, im Fernsehen durfte man dem Sprecher beim Vorlesen der Nachrichten zugucken und die „Ernste Musik” und der “fundierte Wortbeitrag” lief im Radio, mit maximal einem Bild, und zwar in der Programm-Zeitschrift. Kurz, ich wusste, wohin ich musste, wenn ich dies oder das wollte. Wunderbar, keine Konfusion in den Kanälen – weil Klarheit der Plattformen.
Dank Konvergenz (oder Multimedia, oder Crossmedia) gestaltet sich mein medialer Alltag ungefähr wie folgt: Eine elektronische Agenda auf dem Compi im Geschäft, eine auf meinem Handy, eine auf meinem heimischen Compi und eine – die anderen Drei könnten ja irgendwie ausfallen – in Papierform, also analog. Damit nicht genug, jedes Community Portal, das Konvergenz für sich in Anspruch nimmt, hat natürlich auch eine Agenda-Funktion. Dann aber noch zusätzlich eine Emailfunktion, diese wiederum, wird auch von meinem Telecom-Provider auf seiner Homepage angeboten, und von einem der Community Portale auch, wo ich selbstverständlich Mitglied bin. Und dann habe ich noch meine eigene Mailbox, nein deren zwei: Eine für die richtigen Mails, eine andere für die Müll-Mails.
Seit alle Konvergenz nicht nur sagen, sondern auch tun, ist mir nie mehr langweilig. Das Bewirtschaften all dieser konvergenten Angebote (und ich nutze nur eine kleine Anzahl davon) frisst mir heute pro Tag mindestens eine Stunde meiner Lebenszeit weg. Einsam fühle ich mich auch nicht mehr. Weil ich mit der gleichen Person, die gleiche Botschaft gleich 2, oder 5 oder x-mal vervielfältigen und austauschen kann: Das sieht bei mir so aus: Am Morgen per Email: Wir treffen uns heute Abend zum Bier. Am Mittag per Handy: Wir treffen uns heute Abend zum Bier. Wenige Minuten vor dem Treffen zum Bier per SMS: Ich bin in der Bar und warte auf dich zum Bier. Gott segne euch alle, die ihr uns die Konvergenz gebracht habt.
Nun hat – ganz offiziell – auch das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen die Konvergenz entdeckt. Sie haben für das “outing” zwar lange gebraucht, dafür – die zwei Unternehmen sind für solide Werte bekannt – meinen sie es ganz ernst.
Wie wir alle wissen, ist die Zusammenarbeit zwischen Radio und Fernsehen schon seit sehr, sehr langer Zeit eine gelebte Tatsache. Auch zeigen zum Beispiel Programm-Schaffende wie Mona Vetsch und Hannes Hug deutlich – Lerninteresse, Flexibilität und Kreativität vorausgesetzt – wie auf beiden Plattformen gearbeitet werden kann und das schöpferische Zusammenführen der Unterschiede, den Programm-Angeboten zu Gute kommen kann.
Also warum denn das ganze Aufhebens?
Könnte das alles – auch – eine geschickte Marketing/Branding-Kampagne sein. Angezettelt von den Chef-Strategen – diese Bezeichnung soll schmeicheln – der SRG? Eine Kampagne, die helfen soll, eine zukünftige Gebührenerhöhung mit dem Argument herbeizuführen, indem gesagt wir: Wir haben durch die Zusammenlegung – Stichwort Konvergenz – von Redaktionen und Produktionen die Systeme kostenmässig optimiert, weitere Einsparungen sind nicht mehr möglich. Ergo: Wir brauchen mehr Geld. Es könnte also ähnlich gedacht sein, wie beim Branding Genie-Streich “SRG SSR idée suisse”, der just in dem Moment kreiert wurde, als die lokalen (TV & Radio) Konkurrenzanbieter nach dem Gebühren-Geldern schrien. Dank der “SRG SSR idée suisse” wurde sogar dem letzten Hinterbänkler im Wandelhallen Bern klar, dass die SRG mehr wie ein mehrarmiger Medien-Krake ist, sondern – wachet auf – die “unité suisse” schlechthin verkörpert. Also durfte das Geld nicht in die lokale Konkurrenz umverteilt werden, die war ja nicht national relevant, sondern der Löwenanteil der Gelder musste in die Hände – oder Fänge, je nach Perspektive – der öffentlich-rechtlichen fliessen. Für die “unité”.
Was dürfen wir Nutzer von konvergenten Radio und Fernsehprogrammen der beiden öffentlich-rechtlichen Grossraum-Frachter erwarten? Wohl kaum viel neues. Sicher werden die Programme auf die aktuellen und noch kommenden Vertriebs-Hardware angepasst werden. Also Handy, Web-TV a la Wilmaa, vielleicht sogar ein Channel auf einer Spielkonsole? Aber programm-inhaltlich? Es wird im Fundament so bleiben wie es ist.
Oder anders gesagt: Es sind wohl kaum programmliche Entscheide, die zur Konvergenz der beiden Geldtruhen führen, sondern betriebswirtschaftliche. Weil wie gesagt, sei es das Radio wie das Fernsehen haben in der Vergangenheit gezeigt, wo sie programmlich gut zusammenarbeiten können, und wo sie die Finger besser voneinander lassen. Die Zukunft für mich könnte also heissen “nie wieder ohne SRG SSR idée suisse, nie wieder einsam”.
Trotz intensiver Mediennutzung (“frisst mir heute pro Tag mindestens eine Stunde meiner Lebenszeit weg”) scheint Valentin Bregy weder den Akkusativ verinnerlicht (“eine Zeit, da hatte ich ein Fernsehapparat”) zu haben noch die richtige Schreibweise seiner ehemaligen Mitarbeiterin Mona Vetsch mit V statt F. Auch scheint mir die Argumentation nicht ganz logisch, warum die SRG durch die Konvergenz einerseits Kosten einsparen will, die Kosteneinsparung andrerseits als Argument nehmen will für eine Gebührenerhöhung. Die Konvergenz wird zuerst vor allem Kosten verursachen. Bis die Konvergenz gelebte Realität sein wird, werden Jahre vergehen oder vielleicht wird man bis dann die kostenintensive Kopfgeburt Konvergenz wieder begraben haben und erleichtert jeden Inhalt im dafür passenden Medium konsumieren, sprich via TV, Radio, Internet ODER Zeitungen.
Danke für das Gegenlesen. Das meine ich ehrlich. Man ist selber einfach zu nahm am Text. Mona allerdings schreibt sich mit V, da bestehe ich drauf. Ich glaub, das ist auch im Sinne von Mona. Die Antwort auf Kosteneinsparungen finden Sie in der NZZ vom 17. Dez. 09, aber ich weiss nicht mehr in welchem Bund. Sorry!
@Valentin Bregy
Eine freundschaftliche Anfrage: Könnten Sie, lieber Herr Bregy, vielleicht zum besseren Verständnis in einem Satz darlegen, was Sie eigentlich sagen wollten? Die Aussagen sind mir etwas zu divergent.
@Wallenstein: Ich versuchs mal: Weil Redundanz für einen Empfänger/Nutzer mühsam ist, sollen Journalisten bitte redundant arbeiten – und irgendetwas hat das auch noch mit Konvergenz zu tun.
Das meinte ich ja eben, dass man Mona Vetsch mit V schreibt. Da müssen Sie nicht darauf bestehen, das ist einfach so.
Statt auf irgendwelche Zeitungsartikel zu verweisen, von denen Sie nicht mehr genau wissen, in welchem Bund Sie waren, würden Sie Ihre Thesen besser hier an Ort und Stelle mit fundierten Gedanken darlegen. Dann wären die Aussagen vielleicht tatsächlich etwas weniger “divergent”.
Decosta, was ist los? Zuerst meckern Sie rum, weil etwas angeblich falsch geschrieben ist und jetzt tun Sie so, als sei alles anders herum. Vielleicht stimmt etwas mit Ihrem installierten Zeichensatz nicht?
Korrekt: Mein Gedankengang bedingt, dass man SF in Zürich und die GD in Bern etwas besser kennt. Für jemand, der sich “in house” nicht auskennt, für den kann der Gedankengang abstrakt sein.
So also: Besten Dank für die Rückmeldung. Kurz: SF & DRS Konvergenz = ein Trick, um in Bern eine Gebührenerhöhung argumentieren zu können. ces tout!