Schwach angefangen – stark nachgelassen
Es war nicht die Woche des Hanspeter Lebrument. Der Präsident der Schweizer Presse hat anfangs der Woche schwach angefangen, dafür gegen Ende stark nachgelassen. Um das zu verstehen, muss man die Bündner Medienlandschaft kennen. Sie besteht aus Lebrument auf Papier, Lebrument on air und Lebrument tele. Oder, wie es die NZZ am Sonntag unter dem Titel “Regionale Medienmonopole schaden der Demokratie” formuliert hat: “…Verkrustet ist sie vielleicht weniger als zementiert. So etwa in der Südostschweiz: hier ist es dem Bündner Verleger Hanspeter Lebrument gelungen, ein praktisch wasserdichtes Regionalmonopol zu etablieren.”Wie verhält sich nun ein solches Monopol, wenn es dem Patron nicht gefällt? Eben.
Das war den drei Initianten für eine Radiokonzession im Kanton Graubünden von Anfang an klar, als sie die Finger auf die Wunden Punkte des Hauses Südostschweiz legten. Von Konzernjournalismus ist da die Rede, von Weisungen an die Redaktion, von Interventionen des Verlegers und von einer Medienlandschaft, wie es sie in ganz Europa so nicht mehr gibt.
Das war zuviel für den Verleger Hanspeter Lebrument, seine Ehrverletzungsklage gegen seine drei Widersacher Schawinski, Sigel und Bühler sollte gemäss seinen Worten zu einem ethisch anständigen Verhalten in der Schweizer Medienlandschaft führen. Dem Friedensrichter fiel dazu das richtige Wort ein: “Pfupf”. Und bekanntlich ist die Klage diese Woche auch ausgepfupft, denn Lebrument will nichts mehr von einem richterlichen Entscheid wissen. Zehntausende von Franken kostet ihn das, weil er vor dem Entscheid kalte Füsse bekommen hat.
So bleibt nun die Ethik in der Schweizer Medienlandschaft den Akteuren überlassen, ohne dass das Gericht Gelegenheit bekommt, die Vorwürfe auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Im Kanton Graubünden sieht dann die Ethik nach der Vorstellung der Präsidenten der Schweizer Presse und Verlegers der Südostschweiz-Medien wie folgt aus:
Die Meldung, dass seine Widersacher vom Gericht als “obsiegende Partei zu behandeln sind”, darf im Südostschweiz-Land nicht verbreitet werden. Auf Verfügung des publizistischen Direktors Andrea Masüger durfte nicht einmal die entsprechende Nachricht der SDA veröffentlicht werden. Was so vehement vor Gericht bestritten wurde, findet sogleich wieder Anwendung: Weisung an alle Redaktoren, nichts zu publizieren. Masüger fürchtet sich selbst ja auch vor richterlichen Entscheiden. So publiziert er lieber eine abgelehnte Gegendarstellung im eigenen Blatt als diese durch den Richter beurteilen zu lassen. Diese Form der Selbstjustiz ist vermutlich das, was unter Ethik der Medien in Graubünden verstanden wird.
Zur Ehrenrettung der Redaktion der Südostschweiz muss gesagt werden, dass sie anderer Meinung wäre. Tele Südost reiste sogar nach Zürich und interviewte Roger Schawinski – allerdings blieb es beim Sandkastenspiel, ausgestrahlt wurde nichts. Radio Grischa, Tele Südostschweiz und alle Monopolmedien in Graubünden müssen zusammenhalten, weil es dem Verleger nicht gefällt.
Dass der eine oder andere im Kanton doch noch von Lebruments Niederlage erfuhr, hat mit einem Versehen zu tun: Das Regionaljournal DRS brachte die Meldung, wie übrigens alle übrigen Schweizer Medien auch.
Auch der neue Chefredaktor der Südostschweiz, David Sieber, hat sich bereits daran gewöhnen müssen. Ein seitenlanges Mail aus der obersten Etage macht ihm schon einmal klar, dass er wieder ein falsches Buch in der Zeitung rezensieren liess. Jedenfalls nicht jenes, das Lebrument ihm in seine freie Entscheidung hinein diktiert hat. Auch David Sieber wird noch begreifen, dass in Graubünden die Medienuhren anders ticken.
Es ist ja auch nicht dasselbe, ob die Ems Chemie für alle Angestellten die Arbeitszeit bei gleichem Lohn erhöht, darüber lässt sich natürlich gut schreiben. Etwas anderes ist es, wenn Lebrument für sein ganzes Unternehmen die gleiche Massnahme erlässt. Auch diese Woche wurde öffentlich verschwiegen, dass die Anstellungsbedingungen für die gesamte Belegschaft von 40 auf 42 Stunden erhöht wird. Die Redaktoren üben sich schon einmal im Ausfüllen der Wochenrapportsblätter, in denen sie Auskunft geben, wie sie die 42 Stunde Wochen verbracht haben. Jedenfalls nicht mit journalistischer Umsetzung eines Themas, das man nur dann beschreiben darf, wenn es andere betrifft. Und verschweigen muss, wenn es im eigenen Haus verordnet wird.
Der Schweizer Medienlandschaft bleibt nun nach dem Rückzieher von Hanspeter Lebrument aber das eigentliche Highlight erspart. Der Auftritt nämlich eines Peter Wanner (AZ Medien AG), Dr. Pietro Supino (Tamedia AG), Beat Lauber (NZZ) und Matthias Hagemann (Basler Zeitung), die von Lebrument als Zeugen befragt werden sollten. Um ihm zu bestätigen, dass er “das Amt des Präsidenten unverzüglich niederlegen müsste, sollten die Vorwürfe zutreffen”. Die Vorwürfe treffen zu, diese Woche hat das Bündner Medienmonopol genau das bestätigt.
Der Verlegerkongress beginnt am 17. September, für den Rücktritt bleibt also nicht mehr viel Zeit.
Stefan Bühler, Radio Südost
Danke für den Artikel. Wäre interessant, zu lesen, was Hanspeter Lebrument dazu meint. Ein Kommentar dazu vielleicht, Herr Lebrument? Das Feld hier ist offen…
Den Umstand, dass jemand seine Ehrverletzungsklage zurückzieht, als Sieg zu interpretieren, grenzt schon an Vermessenheit. Wer die Bündner Justiz kennt, der tut gut daran, sie wenn möglich nicht in Anspruch zu nehmen. Der Filz ist so dick wie die Berge hoch…
Ich glaube da können Sie lange warten, Herr Grob. Wäre aber durchaus interessant. Ich frage mich, was sie fürchten. Denn eine Stellungnahme in der Südostschweiz selbst würde ihnen eher Sympathiepunkte bringen, zumindest was mich betrifft.
Wir Brauchen in Graubünden Mal ein anderen Wind.
Was ich auch noch loswerden wollte: Herr Bühler ist doch mit seinen Postillen wie dem «Bündner Anzeiger» vollmundig angetreten, das Lebrument’sche Monopol zu brechen. Ist dies gar am änd doch nicht gelungen, Herr Bühler, oder weshalb sprechen Sie denn immer noch von Monopol? Und noch was: Man kann bei einem Verband nur dann etwas fordern, wenn man selbst Mitglied ist. Oder ist das bei den Bündners auch anders?
@ronnie grob: Lebrument fand das gut.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Zensur-in-eigener-Sache-bei-Suedostschweiz-Medien/story/11148429
Lieber Stefi
Hier böte sich die Gelegenheit, diese Mitteilung zumindest in deinem Bündner Anzeiger zu bringen und ein Diskussion zu eröffnen.