Alles Blocher, oder?

Roger Schawinski

Wer behauptet, die “Weltwoche” sei auf Blocher-Linie, greift zu kurz. Es gibt da nicht nur einen Chefredaktor, der mit seinen eher repetitiven Leitartikeln Woche für Woche die Blocher-Suren herunter betet. Und es ist auch nicht Vasall Nr. 1, der in seinen Kolumnen regelmässig neue Aspekte der niederträchtigen Kabalen bei den letzten Bundesrats-Erneuerungswahlen aufdeckt.

Auch diese Woche liefert  Christoph Mörgeli dazu ein neues Kapitelchen. Zusätzlich darf der Zampano persönlich eine ganze Seite mit seinem neuen Lieblingshobby “Ethik” voll schreiben, mit dem er wohl ein für allemal von den Messerstecher- und Schwarzen Schafen-Inseraten ablenken will. Aber all dies ist erst der Anfang. Die Ems-Chemie ist 52mal auf der dritten Umschlagseite als Inserent vertreten und ist damit Köppels mit Abstand bester Kunde bezw. Blochers Tochter, der Köppel in seinem jüngsten Editorial für ihre Leistungen als Kürzest-Wöchnerin huldigt.

Das grosse Finale findet sich jedoch erst ganz zum Schluss auf der vierten Umschlagsseite. Dort  ist zum wiederholten Mal ein Inserat für das Buch das “Blocher-Prinzip” geschaltet, ein Buch, das vor über einem Jahr erschienen ist. Das ist bemerkenswert. Denn in aller Regel wird für Bücher nur direkt nach dem Erscheinungstermin Werbegeld investiert. Alles andere rechnet sich nicht. Daher gibt es – und ich urteile hier auch als ziemlich aktiver VR-Präsident eines Buchverlags – nur einen Schluss: Für Blocher war die Aufmerksamkeit, die ihm im Blatt geschenkt wurde, unerträglich gering und deshalb finanziert er auch noch die Werbung für das ihm gewidmete, bereits ziemlich abgehangene Jubelwerk.

Ärgerlich muss für ihn allein sein, dass es in der “Weltwoche” trotz aller Bemühungen noch einige Seiten gibt, die sich nicht seiner unvergleichlichen Grösse widmen. Aber ich bin sicher, dass er an diesem Problem arbeitet.

Roger Schawinski
Donnerstag, 2. Juli 2009 um 10:58 Uhr
  • Jul 2nd, 2009 um 11:15 Uhr | #1

    Find ich gut, dass die Kritik an der Werbung für das “Blocher-Prinzip”, dieses “ihm gewidmete, bereits ziemlich abgehangene Jubelwerk” auf persoenlich.com erscheint. Immerhin ist ja der Autor des Werks Chefredakteur hier.

  • Ursula Wüthrich
    Jul 2nd, 2009 um 11:21 Uhr | #2

    Herzlichen Dank, Herr Schawinski!

  • Horst Müller
    Jul 2nd, 2009 um 12:35 Uhr | #3

    Ein weiterer belangloser Artikel der Heulsuse Nr.1 im Lande.

    Ärgerlich für Sie Herr Schawinski muss sein, dass es niemanden wirklich mehr interessiert was Sie zu sagen haben. Ihre gebetsmühlenartigen und lächerlichen Selbsinszenierungsaktionen sind noch unerträglicher als das Gelaber von Herrn Blocher.

    Danke für Ihre kenntnissnahme.

  • Marco Wick
    Jul 2nd, 2009 um 16:13 Uhr | #4

    Für einmal muss ich Herrn Schawinski uneingeschränkt recht geben. Die vormals stolze und unabhängige “Weltwoche” ist unter der Ägide von Roger Köppel zum Blocher-Jubelblättchen verkommen. Schade.

  • Jul 3rd, 2009 um 06:07 Uhr | #5

    Arithmetische Progression

    Ein Paar Zeitungen
    zwei Parteizungen.
    Zwei Paar Zeitungen
    vier Parteizungen usw.

  • Jul 3rd, 2009 um 07:06 Uhr | #6

    Unterhaltsamer Boulevard.

  • Urs-Werner Merkli
    Jul 3rd, 2009 um 07:48 Uhr | #7

    Die Weltwoche enthielt seit je her immer ein paar sehr lesenswerte Artikel. Egal unter welcher Aegide sie durch die Landschaft reiste. Das ist überdurchschnittlich.
    Ich bezeichne Radio 1 auch nicht als schlechtes Radio nur weil mir Herr Schawinskis Moderation nicht gefällt und mich an Pfingsten auf der Allmend erinnert.
    Der Spiegel wäre doch auch noch besser. Und die NZZ. Entspricht eher Ihrem Niveau. Lassen Sie die Weltwoche den einfachen Leuten, die nicht alles so gut verstehen wie Sie, der alles erfunden.

  • Matthias Walti
    Jul 3rd, 2009 um 10:20 Uhr | #8

    Ach, dieses Weltwoche-Bashing. Die Weltwoche ist halt was für denkende Leute. Nur wenige Bekannte von mir können begreifen, dass ich etwa die Haltung von Hanspeter Born zum Irakkrieg komplett ablehne – und seine Artikel trotzdem immer mit grossem Gewinn und sehr gerne lese. Dasselbe bei Blocher: vermutlich hat er tatsächlich viel Geltungsdrang – aber deswegen sind seine Aussagen nicht einfach pfui. Und Mörgeli ist ein begnadeter Polemiker, der sich mit Vorliebe über seine politischen Gegner lustigmacht (und zuvor recherchiert hat, notabene). Ein wenig mehr Gelassenheit bitte.

  • Andreas Gossweiler
    Jul 3rd, 2009 um 12:40 Uhr | #9

    Bravo und danke Roger für diesen Kommentar. Die Weltwoche ist – leider – nicht «was für denkende Leute». Sie schürt Ressentiments gegen Schwule und berufstätige Mütter. Mit seriösem Journalismus hat das nichts zu tun. Man konstatiert husch, husch einen «Schwulenkult» und stellt eine Mutter in einer Chefposition an den Pranger, die sich doch tatsächlich erfrecht, einen Mutterschaftsurlaub zu beziehen. Das ist widerwärtiger Thesenjournalismus, der niemandem etwas bringt ausser ein paar Hinterwäldlern, die sich die 50er Jahre zurückwünschen, als die Frauen noch am Herd standen und die Schwulen geächtet waren.

  • Matthias Walti
    Jul 3rd, 2009 um 19:41 Uhr | #10

    @Andreas Gossweiler: ich bleibe bei meinem Urteil “für denkende Leute”. Beispiel ABB-Chefin. Ich selber finde, dass eine Chefin in einen grossen Unternehen eh was falsch macht, wenn sie nicht ein paar Wochen entbehrlich ist. Bei KMU ist das anders. Also null Problem mit dem Mutterschaftsurlaub. Aber ich habe heute durch den Artikel erstmals überhaupt darüber nachgedacht – und in einer ersten Reaktion sogar zugestimmt. Zum denken anregen, und damit ein recht grosses Ziel erreicht. Passiert mir leider bei meiner Tageszeitung von der Werdstrasse deutlich weniger oft.

    Den Schwulen-Artikel werde ich noch lesen…;-)

  • Andreas Gossweiler
    Jul 4th, 2009 um 11:39 Uhr | #11

    Matthias Walti > Denken kann dazu führen, dass man seine Meinung modifiziert. Die Weltwoche ist aber vor allem daran interessiert, Vorurteile zu bestätigen: Frauen gehören an den Herd, Schwule sind nicht normal. Zu denken gibts da nicht viel. Es gibt mir aber sehr zu denken, dass die Weltwoche eine Frau mit Namen nennt und in der Öffentlichkeit kritisiert, weil sie einen Mutterschaftsurlaub bezieht. So etwas finde ich niederträchtig.

  • Horst Müller
    Jul 6th, 2009 um 08:11 Uhr | #12

    @Andreas Gossweiler

    Möchten Sie ein Taschentuch?

  • Kurt
    Jul 15th, 2009 um 06:09 Uhr | #13

    Das erstaunliche ist, dass gerade RS so eine Aussage tätigt. Wenn man sich seine Sendungen Doppelpunkt anhört, und zugleich um seinen Führungsstil weiss, ist er vermutlich (noch eher als Ch.B.) nicht mehr weit weg von einem absolut totalitären Regime. Andere Meinungen lässt Hr. Schawinski nicht gelten, ausser sie haben einen unmittelbaren (für ihn) monetären Einfluss. Wie heisst es so schön: Wer im Glashaus sitzt…

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